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Nachricht der Woche 48 - 2008

 

Kinder, Freizeit und Mediennutzung

 

Kinder lernen nicht nur in der Schule und Kindertagesstätten. Die für ein gelingendes Leben entscheidenden sozialen Daseinskompetenzen, also Eigenschaften wie Kreativität, Ausdauer, Empathie etc., eignen sich Kinder vor allem im Zusammenleben in der Familie und mit Freunden und in der Freizeit an. Das informelle Lernen in der Freizeit ermöglicht es Kindern auf freiwilliger Basis „soft skills“ wie „Teamfähigkeit“ oder Improvisationsvermögen zu erwerben. Dass Kinder ihre Freizeit aktiv gestalten, ist nicht nur wichtig für ihr Wohlbefinden, sondern auch für ihren späteren Erfolg in Partnerschaft, Familie und Beruf (1).

Zu den Freizeitaktivitäten von Kindern in Deutschland bietet der „Kinderpanel“ des Deutschen Jugendinstituts detaillierte Auskünfte. Auswertungen des „Kinderpanel“ zeigen: Die meisten Kinder gestalten ihre Freizeit aktiv und durchaus vielseitig. Zu den beliebtesten Aktivitäten von Kindern im Alter von 8-13 Jahren gehören: „auf einen Spielplatz gehen“, „ins Schwimmbad gehen“, „Sport machen“, „ins Kino/Theater gehen“ und „Bücher aus der Bibliothek holen“. Besonders beliebt ist der Sport: Mehr als 90 Prozent der Kinder geben an, in ihrer Freizeit sportlich aktiv zu sein und zwei Drittel der befragten Kinder sind in einem Sportverein(2).

Sportlich aktive Kinder sind sozial besser integriert. Je häufiger Kinder ihre freie Zeit mit Sport verbringen, desto mehr Freunde und Spielkameraden („Peers“) werden von ihnen genannt. Zugleich sind Kinder mit einem „sportiven Freizeitprofil“  auch in der Schule erfolgreicher als Kinder, die keinen Sport treiben(3). Sport fördert offenbar nicht nur die sozialen, sondern auch die kognitiven Kompetenzen von Kindern. Noch förderlicher für die kognitive Entwicklung von Kindern ist das Musizieren. Musikalisch aktive Kinder sind häufig auch besonders gute Schüler(4). Neben dem Sport und  Musizieren sind auch „Ausflüge“ – eine typische Wochenendaktivität von Familien – und der „Besuch von Kino, Theater und Museen“ charakteristisch für eine aktive Freizeitgestaltung. Dasselbe gilt – vielleicht etwas überraschend – auch für den Gebrauch des Computers: Kinder, die regelmäßig den häuslichen Computer nutzen, verbringen zugleich einen Großteil ihrer freien Zeit aktiv beim Sport, im Kino oder in der Musikschule (5).

Eine eher passive Freizeitbeschäftigung ist dagegen der Fernsehkonsum. Fast alle Kinder schauen täglich fern. Sie unterscheiden sich aber darin, wie lange und mit wem sie Fernsehen. „Vielseher“ (>1 Stunde täglich) sind im Allgemeinen inaktiver als „Wenigseher“: So musizieren sie z. B. seltener und wenden auch weniger Zeit für Gespräche mit anderen auf (6). Fernsehen muss aber nicht zwangsläufig „unkommunikativ“ sein: So kann das gemeinsame Fernsehen im Kreis von Freunden oder der Familie auch Gespräche befördern. Von Interesse ist deshalb nicht nur wie lange, sondern auch wie bzw. mit wem Kinder fernsehen. Nach Erkenntnissen des Kinderpanels sehen Kinder zumeist im Kreise ihrer Familie fern. Aber immerhin jedes dritte Kind im Alter von acht bis neun Jahren sitzt auch oft alleine vor dem Fernsehapparat (7) und die Zahl der Kinder, die einen eigenen Fernsehapparat auf ihrem Zimmer haben wächst (8). Ob Kinder in diesem Alter das Gesehene immer „verarbeiten“ können, ist zumindest fraglich. Zunehmend wird deshalb auch der Fernsehkonsum von Kindern und Jugendlichen hinterfragt, vor allem im Zusammenhang mit Gewalt (9). Hier haben nicht nur die Eltern eine immer bedeutsamer werdende Aufgabe zu schultern, sondern auch die Gemeinschaft muss sich Gedanken machen, ob der Staat in diesem Bereich nicht mehr Kontrolle ausüben sollte. Die Selbstkontrolle scheint jedenfalls nur begrenzt zu funktionieren.

 

([1]) Vgl. Sandra Ebner: Trotzdem erfolgreich? Was prägt die Entwicklung der 10-12 Jährigen mehr – die soziale Herkunft, die Persönlichkeit oder der Erziehungsstil der Eltern?, S. 181-206, in: Christian Alt (Hrsg.): Kinderleben – individuelle Entwicklungen in sozialen Kontexten, Wiesbaden 2008, S. 182.

(2) Insgesamt sind mehr als drei Viertel der Kinder in einem Verein (Sport, Musik, Tanz o. a.) aktiv.   Vgl.: Claudia Zerle: Die Freizeit von Kindern als Ort des Lernens, S. 346-368, in: ebd. S. 348.

(3) Ebd., S. 360-361.

(4)  Vgl.: Gerhard Beisenherz: Dauerhafte Armut und Schulleistungen, S. 207-237, in:  ebd., S. 219.

(5)  Vgl.: Christian Alt/Gabriele Gloger-Tippelt: Persönlichkeitsentwicklung und Sozialstruktur, S. 7-26,

hier S. 15-16.

(6) Vgl.: http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Kindliche_Entwicklung/s_742.html

(7) Vgl.: Christian Alt/Gabriele Gloger-Tippelt: Persönlichkeitsentwicklung und Sozialstruktur, S. 15-16.

(8)  Vgl. Manfred Spitzer, Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft, 2005, Stuttgart, S. 1 ff.

(9)  Ebenda. S. 211 ff.

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