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Zitat der Woche 2 - 2009

 

Sorge in der Familie, Sorge als Erwerbsarbeit: Der große Unterschied

 

„Das Problem liegt freilich nicht nur in der Zeitkoordination der komplexer gewordenen alltäglichen Lebensführung. Es besteht vor allem darin, dass die beiden Arbeitsbereiche andere Zeit-, Beziehungs- und Handlungslogiken haben. Sorgen für das physische und emotionale Wohl von Menschen ist nicht vergleichbar mit marktförmiger Erwerbsarbeit und auch nicht auf diese Weise organisierbar. Wenn das Sorgen für Kinder, Kranke und Alte in die Arbeitswelt verlagert wird, wird es in Teilarbeiten zerlegt, die zeitlich und personell voneinander getrennt stattfinden. Damit wird die Ganzheitlichkeit der familialen Sorge aufgehoben. Als Erwerbsarbeit wird das Sorgen formal organisiert und marktgemäß rationalisiert. Die Zeitlogik der Ökonomie dringt damit in Lebensbereiche ein, die bislang davon ausgenommen waren. Doch Sorgearbeit lässt sich nicht ohne Qualitätsverlust rationalisieren. […] Zeit zum Sorgen füreinander, für die Pflege von Beziehungen und Bindungen darf keine Restgröße sein. Privates Sorgen für Sorgebedürftige jeden Alters sollte als ebenso wichtige Arbeit gelten wie Erwerbsarbeit, auch in der wohlfahrtsstaatlichen Ressourcenverteilung.“

 

 

Helga Zeiher: Zeitbalancen, S. 3-6, in: Aus Politik und Zeitgeschichte – Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 31-32/2004, S. 3-4.

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