Zitat der Woche 7 – 2009
Miegel zu Erziehungsinvestition, Bevölkerung und Wirtschaft
Kinder sind nämlich nicht nur ein Wert an sich, sie sind auch eine Investition – und zwar die weitaus größte und wichtigste, die eine Gesellschaft tätigt. […] Weil sich die Bevölkerung Deutschlands nur zu zwei Dritteln und nicht zu neunzig Prozent in der Zahl ihrer Kinder ersetzt, unterbleiben jährlich Investitionen im Wert von überschlägig mehr als 160 Milliarden Euro, jeweils zur Hälfte entgeltlich und unentgeltlich. [..] Diese Zahlen legen nahe, dass die Größe des Kinder- und Jugendanteils an einer Bevölkerung bedeutsam für deren wirtschaftliche Entwicklung ist. Ein internationaler Vergleich verstärkt diese Vermutung. Danach besteht zwischen Geburtenrate, sprich dem Anteil von Kindern und Jugendlichen an einer Bevölkerung, und dem Wachstum ihrer Wirtschaft zwar kein durchgängiger, aber dennoch auffälliger Zusammenhang. Wo in frühindustrialisierten Ländern die Geburtenraten vergleichsweise hoch sind – in den USA, Großbritannien oder Irland –, da sind auch die Wachstumsraten recht ansehnlich. Wo hingegen die Geburtenraten gering sind – in Japan, Deutschland oder der Schweiz –, da dümpelt auch die Wirtschaft vor sich hin. […] Deshalb sollen Völker, die so eifrig ihre Wirtschaftsdaten miteinander vergleichen, dies auch gelegentlich mit ihren Bevölkerungsdaten tun. Sie werden dabei zu überraschenden Einsichten gelangen. Dazu gehört, dass die jahrzehntelange Vernachlässigung des Zusammenhangs von Demographie und Ökonomie eine der folgenreichsten Fehlleistungen der frühindustrialisierten Länder ist.
Meinhard Miegel: Epochenwende. Gewinnt der Westen die Zukunft? List Taschenbuch, Berlin 2007, S. 179ff.