Zitat der Woche 10 - 2009
Zerrbilder in den Medien vom Medienkonsum der Kinder
„Seit mehreren Jahren erleben Erziehung und Bildung eine anhaltende Aufmerksamkeit. Bildungspolitik mausert sich neben der Familienpolitik, beides lange Zeit vermeintlich weiche Politikfelder, zu einem Terrain, auf dem man sich auch für höhere Aufgaben profilieren kann. Die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudien schulischer Leistungen von TIMSS über PISA hin zu DESI werden breit publiziert und in den Leserbriefen leidenschaftlich kommentiert. Damit korrespondierend wird ein Bild heutiger Kinder, vor allem aus „prekären“ Milieus gezeichnet, das folgende Kontur aufweist: stundenlang vor dem Fernsehen dahinvegetierend und durch Werbung und Konsum korrumpiert. Es ist ein Porträt, das mit den Ergebnissen aktueller Kindheitsforschung zwar nicht übereinstimmt […], aber immer wieder in Umlauf gebracht wird. Erfolg hat diese Kindheitsrhetorik und die durch sie transportierte „Kinderpanik“ […] deshalb, weil die erwachsene Gesellschaft viele Ängste vor neuen Technologien und um wirtschaftliches Wachstum wie in einem Brennglas auf die Kinder projiziert – und weil diese Katastrophensemantik einen hohen Nachrichtenwert und entsprechend große Auflagen verspricht.
Isabelle Krok/Andreas Lange: Defamilialisierung oder smarte Ko- Produktion? Zum Verhältnis familialer und öffentlicher Erziehung, S. 23-31, in: vorgänge, Heft 3/2008, S. 23.
