Zitat der Woche 17 - 2009
Der Staat als Rettung – eine zu simple Formel
Eine besonders emotionalisierte Debatte um Eingriffsmöglichkeiten oder – notwendigkeiten ins Private ist entbrannt durch die öffentliche Skandalisierung von Kindeswohlgefährdungen und Kindstötungen. […] Eltern werden dabei jedenfalls häufig als diejenigen dargestellt, vor denen man die Kinder schützen müsse, sie werden häufig öffentlich „an den Pranger“ gestellt. […] Hier prallt das Interesse, Familie vor Einmischung von außen zu bewahren, das auch im vorrangigen Elternrecht verankert ist, auf das Gebot des staatlichen Wächteramtes, wie es im Kinder- und Jugendhilferecht SGB VIII festgelegt ist. Derzeit zeigen sich aber ambivalente Tendenzen, diese schwierige Balance in Richtung Kontrolle aufzulösen: ärztliche Pflichtuntersuchungen, die „Inaugenscheinnahme“ des Kindes bei Hausbesuchen durch das Jugendamt sowie Lockerungen des Datenschutzes weisen in eine Richtung, in der das Misstrauen gegenüber Eltern zu überwiegen scheint. Das Private wird zur Bedrohung, der Staat zur Rettung – diese simple Formel wird den tatsächlich existierenden Ambivalenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit jedoch nicht gerecht.
Karin Jurczyk: Familie – Verschwinden oder Neustrukturierung des Privaten, S. 4-15, in: in:
vorgänge – Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, Heft 3/2008, S. 8-10.