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Zitat der Woche 18 - 2009

Kulturelle Revolution, Kapitalismus und Familie

Die kulturelle Revolution des späten 20. Jahrhunderts könnte man also am besten als den Triumph des Individuums über die Gesellschaft betrachten (1). [...] Der durchdringende Einfluss von neoklassischen Wirtschaftstheorien, die (über die kulturelle Hegemonie der USA) in säkularen westlichen Gesellschaften zunehmend den Rang von Theologien eingenommen hatten, und der Einfluss einer exzessiv individualistischen amerikanischen Rechtsprechung haben diese Art von Rhetorik noch zusätzlich gefördert. Ihren politischen Ausdruck fand sie schließlich in der Äußerung der britischen Premierministerin Margret Thatcher: „Es gibt keine Gesellschaft, es gibt nur Individuen" (2). [...] Nur wenige erkannten jedoch, in welch hohem Maße die moderne Industriegesellschaft bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts noch auf einer Symbiose der alten Gemeinschafts- und Familienwerte mit der neuen Gesellschaft beruht hatte und wie dramatisch sich ihre spektakulär schnelle Auflösung daher auswirken musste. [...] Die Familie war ein integraler Bestandteil des Kapitalismus, weil sie ihn ebenso mit einer ganzen Anzahl solcher Voraussetzungen versorgen konnte wie dem „Hang zur Arbeit", der Angewohnheit, gehorsam und loyal zu sein, auch als Geschäftsführer loyal gegenüber der jeweiligen Firma, oder anderen Verhaltensweisen, die nicht so einfach in eine rationale Theorie der freien und auf Maximierung basierenden Wahl eingepasst werden können. [...] Der Kapitalismus war bisher erfolgreich gewesen, weil er nicht ausschließlich kapitalistisch war (3).

(1) Eric Hobsbawm: Das Zeitalter der Extreme - Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, München 1995, S. 390-391.

(2) Ebd., S. 420.- S. 422.

(3) Ebd., S. 429-431.

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