Zitat der Woche 22 - 2009
Gerechtigkeit für Eltern - zentrales Anliegen der Familienpolitik
In einer marktwirtschaftlich geprägten Sozialordnung ergibt sich das Einkommen zunächst aufgrund einer marktleistungsbestimmten Einkommensverteilung. Dieser Individualismus ist jedoch „familienblind" gegenüber den nicht-ökonomischen Leistungen und dem Lebensbedarf einer Familie, der sowohl von der Größe als auch von der Lebensphase in der die Familie sich befindet, abhängt [...]. Die Familienpolitik sieht es als ihre Aufgabe an, diese primäre Einkommensverteilung durch eine Einkommensumverteilung zu ergänzen, eine durch Kinder eingeschränkte Erwerbstätigkeit zu berücksichtigen und zu einem Ausgleich der durch den Kindesunterhalt entstandenen Kosten beizutragen. Dies umso mehr, je niedriger das Einkommen und je höher die Zahl der Kinder ist. Mit dieser Korrektur der rein marktorientierten Einkommensverteilung erkennt die Familienpolitik eine durch die familialen Anforderungen bedingte geminderte steuerliche Leistungsfähigkeit an. Sie trägt damit dem Rechnung, dass das Aufziehen von Kindern keine reine Privatangelegenheit ist.
Bernd Eggen: Zur ökonomischen Situation der Familien, S. 457-484, in: Hans Bertram/Helga Krüger/C. Katharina Spieß (Hrsg.): Wem gehört die Familie der Zukunft? Expertisen zum 7. Familienbericht, Opladen 2006, S. 457-458.
