Zitat der Woche 25-2009
Bildung in der Familie
Kinder brauchen Elternzeit, um sich und insbesondere ihre Kompetenzen von einer sicheren emotionalen Basis aus entwickeln zu können. Umgekehrt weisen neue Perspektiven in der Entwicklungspsychologie auf den Stellenwert der gegenseitigen Beeinflussungsprozesse zwischen Kindern und Eltern hin (...) - Sozialisationsprozesse verlaufen also auch von den Kindern hin zu den Eltern. Die Bedeutung dieser retroaktiven Sozialisation wiederum steigt in einer Kultur des raschen Wandels (...). Familie spielt über die Grundlegung basaler Kompetenzen für die Lebensbewältigung hinweg eine zentrale Rolle für die Vermittlung und Aneignung von Bildung. Im Rahmen der alltäglichen Lebensführung werden bildungsbezogene Gelegenheiten geboten, die Bildungsprozesse der Familienmitglieder anstoßen und fördern. Eltern übernehmen explizit oder implizit Bildungsleistungen, die für die einzelnen Familienmitglieder und deren kulturelle Teilhabe und soziale Anschlussfähigkeit ebenso von Bedeutung sind wie für den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Gesellschaft (...). Familien brauchen Zeit, um die für die gesellschaftliche Entwicklung und Integration notwendigen familialen Leistungen erbringen zu können. Dieser Sachverhalt wurde lange Zeit nicht wahrgenommen und daher Familie als quasi natürliche Ressource verstanden.
Andreas Lange: Einblicke in die Zeitverwendung von Kindern und ihren Eltern, S. 137-157, in: Martina Heitkötter et al (Hrsg.): Zeit für Beziehungen? Zeit und Zeitpolitik für Familien, Opladen 2009, S. 141.
