Migration - eine nationale Aufgabe
Scheinbar ist eine „zunehmende Unzufriedenheit" [...] mit den gegenwärtigen nationalen Migrationspolitiken in Europa zu verzeichnen. [...] Die europäischen Bürokraten und Migrationsexperten in Brüssel würden sich aus Gründen der statistischen Bequemlichkeit vielleicht eine Harmonisierung wünschen (zweifellos ein Vorteil für die Funktionäre des „Migrationsgeschäfts"). Die Beamten der EU-Kommission sehen dieses Ziel möglicherweise als Komponente einer breiteren Zielsetzung, die Macht von den nationalen Regierungen nach Brüssel zu übertragen. Wenn die Harmonisierung nicht um der Harmonisierung willen empfohlen wird, sollte sie doch ausdrückliche Ziele mit eindeutigem Nutzen für die europäischen Bevölkerungen verfolgen und nicht nur für die, die das System verwalten und messen. In der absehbaren Zukunft scheint es wahrscheinlich, dass der Migrationsdruck, der Arbeitskräftebedarf, die Arbeitslosenquoten, die Wohnungsknappheit, die rassischen Spannungen und die öffentliche Meinung zwischen den europäischen Ländern beträchtliche Unterschiede aufweisen werden, was ein Argument für die Fortführung des Migrationsmanagements auf nationaler Ebene zu sein scheint.
David Coleman: Migration nach Europa: eine Kritik am neuen Konsens des Establishments, S. 327-340, in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 28 Heft 3-4, Opladen 2001, S. 337.
