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Zitat der Woche 48 - 2009

DDR-Devotion, verunsicherte Eltern und der lange Arm des Staats

Es muss hier letztlich offen bleiben, worauf die verbreitete positive Einschätzung der DDR-Kleinkinderbetreuung basiert. [...] Wie früher in der DDR, so stehen heute in der Bundesrepublik viele Eltern einer ausgedehnten Fremdbetreuung der Kinder (noch) recht skeptisch gegenüber. Funktional als notwendig erachtete Politikwechsel müssen deshalb in Situationen, in denen Widerstand oder zumindest Eigensinnigkeit der Betroffenen zu erwarten ist, [...] mit Hilfe von ebenso griffigen wie zustimmungsfähigen Formeln, vermittelt werden, dass die Bürger die neue Politik recht bald nicht nur als notwendig, sondern auch als einzig angemessen betrachten. Solche Formeln, wie z. B. Starting Strong, Auf den Anfang kommt es an oder Jedes Kind zählt, greifen dann, wenn sie bei den angesprochenen Erwachsenen auf Unsicherheitserfahrungen treffen, für die neue Politiken eine Lösung versprechen. [...] Elternschaft hat sich in allen westlichen Ländern stark verändert. [...] Die Menge der Ratgeber legt allerdings nahe, dass Eltern immer weniger meinen, es besser zu wissen, obwohl ihre Sensibilität für das Wohl des Kindes stetig zugenommen hat. Dieses vermeintliche Unwissen - man könnte auch sagen: diese Erosion des lebensweltlich selbstverständlichen Wissens - vergrößert den Raum für frühzeitigere Eingriffe des Staates in die Familien und hilft diese zu legitimieren.

Ilona Ostner: „Auf den Anfang kommt es an" - Anmerkungen zur „Europäisierung" des Aufwachsens kleiner Kinder, S. 44-62, in: Recht der Jugend und des Bildungswesens - Zeitschrift für Schule, Berufsbildung und Jugenderziehung 1/2009, S. 61-62.