Zitat der Wochen 5/6 - 2010

Geburtenziffern und Vereinbarkeitspolitik

Das erklärte Ziel dieser am ehesten für die Fertilität relevanten Sozialpolitiken in Schweden - und in unterschiedlichem Umfang anderen Orts in Westeuropa - ist es, Frauen die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Kinderhaben zu ermöglichen. Allerdings sind die Ergebnisse einer solchen Politik im Hinblick auf eine Erhöhung der Fertilität unsicher und wahrscheinlich begrenzt. Wenn die traditionelle Rolle der Eltern mit Beginn des Schuleintritts ihrer Kinder oder gar im frühesten Kindesalter mehr oder minder von nicht familialen Institutionen übernommen wird, verliert die Elternrolle eventuell an Wert. [...] Es überrascht daher nicht, dass trotz der politischen Bemühungen, die Doppelverdiener- Familie mit dem Kinderhaben zu vereinbaren - d. h. trotz flexibler Arbeitszeiten, bezahltem Urlaub für Väter zur Pflege eines Säuglings oder eines kranken Kindes und ähnlichen Unterstützungsleistungen -, die von Doppelverdienern tatsächlich gewünschte Kinderzahl sich auf ein Familiensystem hinbewegt, in dem man entweder kinderlos ist oder ein bis zwei Kinder hat. Die Arithmetik eines solchen Systems ergibt möglicherweise zusammengefasste Geburtenziffern deutlich unter dem Generationenersatz.

Paul Demeny: Die bevölkerungspolitischen Dilemmata in Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts, S. 91-117, in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 28, Heft 1/2003, S. 112-113.

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