Zitate der Wochen 17-18 / 2010


Medien verunsichern die Elternschaft

Immer größer wird der Zweifel, den die Eltern darüber hegen, wie sie ihre Kinder erziehen sollen. So suchen sie Rat bei anderen Zeitgenossen und auch bei den Massenkommunikationsmitteln. [...] Ihre Unsicherheit bringt sie dazu, sich in steigendem Maße Büchern, Zeitschriften, Radioprogrammen und von der öffentlichen Elternberatung u. ä. herausgegebenen Abhandlungen zuzuwenden. Hier wird der bereits ängstlichen Mutter gesagt, dass es keine problematischen Kinder, sondern nur problematische Eltern gibt; und sie lernt ferner, zunächst in die eigene Psyche hineinzusehen, wenn sie sich getrieben fühlt, ihren Kindern etwas zu verwehren, und sei es nur, sie nicht immer mit affektiver Zärtlichkeit zu verhätscheln. Sind die Kinder unartig, so muss die Mutter ihnen etwas vorenthalten haben. Und wenn diese Ratgeber der Mutter vorschreiben, sich zu entspannen und sich an ihren Kindern und mit ihnen zu freuen, wird auch dies wiederum ein zusätzliches Gebot, dem ängstlich Folge geleistet wird. [...] Die Eltern ziehen sich - besonders im gehobenen Mittelstand, auf „der Persönlichkeit des Kindes angemessene" Erziehungsmethoden zurück - auf die Beeinflussung mittels Argumenten, genauer gesagt: mittels rationalisierten Überzeugens. Das Kind antwortet auf seine Weise.

David Riesman: Die einsame Masse, Hamburg 1958, 14. Auflage 1972, S. 62 ff.

 

Das Medium ist die Botschaft

Der Inhalt jedes Mediums ist immer ein anderes Medium. Der Inhalt der Schrift ist Sprache, genauso wie das geschriebene Wort Inhalt des Buchdrucks ist und der Druck wieder Inhalt des Telegrafen ist. (...) Die Botschaft jedes Mediums oder jeder Technik ist die Veränderung des Maßstabs, Tempos oder Schemas, die es der Situation des Menschen bringt. Die Eisenbahn hat der menschlichen Gesellschaft nicht Bewegung, Transport oder das Rad oder die Straße gebracht, sondern das Ausmaß früherer Funktionen vergrößert und beschleunigt und damit vollkommen neue Arten von Städten und neue Arten der Arbeit und Freizeit geschaffen (....) Das Medium ist die Botschaft, weil eben das Medium Ausmaß und Form des menschlichen Zusammenlebens gestaltet und steuert. Der Inhalt oder die Verwendungsmöglichkeiten solcher Medien sind so verschiedenartig, wie sie wirkungslos bei der Gestaltung menschlicher Gemeinschaftsformen sind.

Marshall McLuhan, Die magischen Kanäle, Düsseldorf-Wien, 1968, S. 13 f.

 

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