Zitat der Wochen 33/34 - 2010

Der normative Irrtum: Abkehr von Familie als „Wertewandel" gerechtfertigt

Dieser Gegenwartsbefund von Kinderarmut und Wirtschaftsreichtum macht es notwendig, dass Staat und Gesellschaft Recht und Reichtum einsetzen, um die Rahmenbedingungen für die Familien so zu gestalten, dass der Wille zu Kindern und die Bereitschaft zu deren Erziehung auch tatsächlich verwirklicht werden kann. Staat und Gesellschaft sichern ihre Zukunft in einer freiheitsfähigen Jugend. Gegenwärtig allerdings scheint sich eine gegenläufige Entwicklung der Zukunftsvergessenheit und der Selbstaufgabe anzubahnen. Wenn wir einen Trend zu immer weniger Geburten, einer sich verringernden Leistungsfähigkeit unserer Kinder, weniger Eheschließungen und wachsender Scheidungsraten beobachten, sollte diese Entwicklung Anlass zur Gegenwehr bieten, sie führt aber nicht selten auch zu dem normativen Irrtum, einen Trend zum Wertewandel zu erklären. Die Fehlentwicklung wird mit einem entsprechenden Wandel der Werte gleichgesetzt, damit der Maßstab für richtig und falsch, für gut oder schlecht aufgegeben und sich so eine kritische Würdigung unserer Gegenwart ihrer Ursachen und Verantwortlichkeiten erübrigt.

Kurt Biedenkopf/Hans Bertram/Margot Käßmann/Paul Kirchhof/Elisabeth Niejahr/Hans-Werner Sinn/Frans Willekens: Starke Familie - Bericht der Kommission „Familie und demographischer Wandel" im Auftrag der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart 2005, S. 78

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