Zitat der Woche 17 / 2008
Der Schweizer Soziologe und Demograph Höpflinger über Wandel familiärer Lebensformen
„Ein Hauptmerkmal der aktuellen Situation in Europa liegt sicherlich in der Koexistenz traditioneller und moderner Lebens-und Familienformen. Zwar hat der sozio-ökonomische Wandel in allen europäischen Ländern analoge familiale Veränderungen ausgelöst, aber stärker als in anderen sozialen Bereichen ist das familiale Leben durch die Gleichzeitigkeit von Wandel und Kontinuität charakterisiert.
[…]
Festzuhalten ist gleichzeitig, dass in Europa trotz tiefer Geburtenrate und steigenden Scheidungszahlen keine durchgehende Abwertung des Familienlebens zu verzeichnen ist. Selbst in skandinavischen Ländern sind außerfamiliale Lebensformen junger Erwachsener oft vorübergehender Art. Sie widerspiegeln mehrheitlich eher eine Verlängerung der Jugendphase ins Erwachsenenalter als eine langfristige Alternative zur Familiengründung. Eine (normative) Abkehr von der Familie lässt sich höchstens in einigen urbanen Subgruppen festhalten. Da Personen in den Medien und im akademischen Bereich eine hohe Affinität zu solchen „anti-familialen“ urbanen Gruppen aufweisen, bleibt im veröffentlichten Bild der Familie die Kontinuität familialer Strukturen weitgehend unbeachtet.“
Francois Höpflinger, Haushalts-und Familienstrukturen im intereuropäischen Vergleich, aus: Stefan Hradil und Stefan Immerfall (Hrsg.), Die westeuropäischen Gesellschaften im Vergleich, Leske und Budrich, Opladen, 1997, Seite 127 und 129.
