Zitat der Woche 22 / 2008
Zeit für Kinder und Familie – Aussagen aus dem 7. Familienbericht
„Bei einer vollständigen Integration der Frauen und Mütter in das Erwerbsleben besteht die Gefahr, dass die Fürsorge für andere, die in der Industriegesellschaft mit der Mutterrolle in der Familie verbunden war, weitgehend kommerzialisiert wird und damit jene personalen Beziehungen in Frage gestellt werden, die für die individuelle Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind“ (1). […]
„Sorgezeiten sind körpergebunden, unkalkulierbar sowie prinzipiell endlos: Kinder haben Bauchweh auch in der Nacht, sie wollen auch am Wochenende versorgt sein und Hausarbeit wie Wäschewaschen und Essenkochen, fällt, kaum ist sie verrichtet, bereits von neuem wieder an. Durch die nur begrenzte Kalkulierbarkeit von Sorgezeit entstehen nicht vorhersehbare Mischungen von Zeitnot und Zeitnischen, deren Ausbalancieren – zusätzlich zur erforderlichen Synchronisation der Komplexität familialer Zeit – ein hohes Maß an Zeitkompetenzen erfordert. Diese richten sich weniger auf rigide, effizienzorientierte Pünktlichkeit denn auf situationsadäquate Flexibilität. Die Zeitlogik von Sorgearbeit weicht demnach in vielen Aspekten von der Zeitökonomie der Erwerbsarbeit ab, sie steht teilweise im Widerspruch zu ihr. In den Pflegeberufen zeigt sich das konflikthafte Zusammentreffen dieser unterschiedlichen Zeitlogiken prototypisch (2). […]
Die Zeiten von Frauen erfüllen deshalb eine gesellschaftliche Scharnier- und Pufferfunktion: Sie vermitteln und synchronisieren die Zeitstrukturen von Erwerb und Familie und sie federn die „Wechselfälle des Lebens“ ab, indem sie bei ausfallenden Schulstunden, plötzlichen Erkrankungen oder unerwarteten Überstunden und Dienstreisen flexibel zur Verfügung stehen. Durch die Integration von Frauen in Erwerbsarbeit und die stärkere Artikulation eigener Interessen werden diese bislang unsichtbar zur Verfügung gestellten „Zeitpuffer“ aber zunehmend zur knappen Ressource“ (3).
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(1) Vgl.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit. Perspektiven für eine lebenslaufbezogene Familienpolitik. Siebter Familienbericht, Bundestagsdrucksache 16/1360, S. 27.
(2) Vgl.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit. Perspektiven für eine lebenslaufbezogene Familienpolitik. Siebter Familienbericht, Bundestagsdrucksache 16/1360, S. 208.
(3) Vgl. ebd., S. 209.
Zeit für Kinder und Familie – Aussagen aus dem 7. Familienbericht
„Bei einer vollständigen Integration der Frauen und Mütter in das Erwerbsleben besteht die Gefahr, dass die Fürsorge für andere, die in der Industriegesellschaft mit der Mutterrolle in der Familie verbunden war, weitgehend kommerzialisiert wird und damit jene personalen Beziehungen in Frage gestellt werden, die für die individuelle Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind“ (1). […]
„Sorgezeiten sind körpergebunden, unkalkulierbar sowie prinzipiell endlos: Kinder haben Bauchweh auch in der Nacht, sie wollen auch am Wochenende versorgt sein und Hausarbeit wie Wäschewaschen und Essenkochen, fällt, kaum ist sie verrichtet, bereits von neuem wieder an. Durch die nur begrenzte Kalkulierbarkeit von Sorgezeit entstehen nicht vorhersehbare Mischungen von Zeitnot und Zeitnischen, deren Ausbalancieren – zusätzlich zur erforderlichen Synchronisation der Komplexität familialer Zeit – ein hohes Maß an Zeitkompetenzen erfordert. Diese richten sich weniger auf rigide, effizienzorientierte Pünktlichkeit denn auf situationsadäquate Flexibilität. Die Zeitlogik von Sorgearbeit weicht demnach in vielen Aspekten von der Zeitökonomie der Erwerbsarbeit ab, sie steht teilweise im Widerspruch zu ihr. In den Pflegeberufen zeigt sich das konflikthafte Zusammentreffen dieser unterschiedlichen Zeitlogiken prototypisch (2). […]
Die Zeiten von Frauen erfüllen deshalb eine gesellschaftliche Scharnier- und Pufferfunktion: Sie vermitteln und synchronisieren die Zeitstrukturen von Erwerb und Familie und sie federn die „Wechselfälle des Lebens“ ab, indem sie bei ausfallenden Schulstunden, plötzlichen Erkrankungen oder unerwarteten Überstunden und Dienstreisen flexibel zur Verfügung stehen. Durch die Integration von Frauen in Erwerbsarbeit und die stärkere Artikulation eigener Interessen werden diese bislang unsichtbar zur Verfügung gestellten „Zeitpuffer“ aber zunehmend zur knappen Ressource“ (3).
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(1) Vgl.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit. Perspektiven für eine lebenslaufbezogene Familienpolitik. Siebter Familienbericht, Bundestagsdrucksache 16/1360, S. 27.
(2) Vgl.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit. Perspektiven für eine lebenslaufbezogene Familienpolitik. Siebter Familienbericht, Bundestagsdrucksache 16/1360, S. 208.
(3) Vgl. ebd., S. 209.
