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Nachricht der Woche 22 - 2008

Mütter wünschen sich Teilzeitjobs - zum Wohl der Kinder

 


In einer aktuellen Studie zum Lohngefälle zwischen Männern und Frauen weisen Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auf die Tendenz hin, dass viele Frauen in Firmen und beruflichen Positionen arbeiten, die sich leichter mit der Familie vereinbaren lassen. Nach der Geburt ihres Kindes würden 94 Prozent der erwerbstätigen Frauen ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen. Nach der „Baby- Pause“ kehrten die Frauen dann meist in Teilzeit in den Beruf zurück. Diese Verhaltensmuster sind nach Auffassung der Forscher der wesentliche Grund für das immer noch bestehende Lohngefälle zwischen Männern und Frauen. Ingrid Hofmann, Mitglied des Präsidiums des Bundesverbands Deutscher Arbeitgeber (BDA), hält deshalb den weiteren Ausbau der Kinderbetreuung und der schulischen Ganztagsangebote für „dringend notwendig“. Dass die Arbeitgeber auf die – mittlerweile mindestens ebenso gut die Männer ausgebildeten – Frauen als Vollzeitarbeitskräfte nicht verzichten wollen ist verständlich (1). Aus Sicht vieler Mütter stellt sich die Herausforderung, ihre Erwerbstätigkeit mit der angemessenen Erziehung ihrer Kinder zu verbinden, differenzierter dar.
Die Anliegen der Mütter hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat der Trierer Bildungsforscher Prof. Michael Honig, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen der Bundesregierung, eingehender analysiert. Demnach entspricht die „im Beschäftigungssystem übliche Vollzeitarbeit“ in den meisten Fällen nicht den Erwerbswünschen von Müttern mit Kleinkindern, Kindergartenkindern und Grundschulkindern. Denn „in den alten und neuen Bundesländern sprechen sich Mütter mit betreuungsbedürftigen Kindern dagegen mehrheitlich für das Vollzeit- Teilzeit- Modell aus, bei dem die Frauen ihr berufliches Engagement zwecks Kindererziehung reduzieren“ (2). Die Ergebnisse wissenschaftlicher Erhebungen wiesen darauf hin, „dass die 1,5-Verdienerwirklichkeit der Erwerbstätigenfamilie keine Kompromiss-, sondern eine Wunschlösung ist, die nicht – zumindest nicht allein – den gegebenen unbefriedigenden Betreuungsangeboten geschuldet ist“ (3). „Die 1,5- Verdiener-Realität der Erwerbstätigenfamilie“ sei nicht einfach „als geschlechtsspezifische Ungleichheit in der Erwerbsbeteiligung oder als Kompromissform zu interpretieren“, sondern als „job enrichment“ der Mutterrolle, die ihre pädagogische Aufgabe zunehmend als Vermittlung zwischen Familien und anregungsreicher Umwelt im Sinne einer Entwicklungsförderung der Kinder wahrnimmt“ (4). Offenbar ist ein möglichst hohes Einkommen keineswegs das einzige Lebensziel für moderne Frauen.

 

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(1) Vgl.: Flora Wisdorff: Gehaltsvergleich: Fehlende Kita-Plätze kosten Frauen bares Geld, WELTONLINE vom 24. Mai 2008,
http://www.welt.de/finanzen/article2029638/Fehlende_Kita-Plaetze_kosten_Frauen_bares_Geld.html
(2) Vgl.: Michael- Sebastian Honig: Kann der Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung das Vereinbarkeitsproblem lösen? Rückfragen an den familienpolitischen Konsens, S. 354-377, in: Frank Lettke/Andreas Lange: Generationen und Familien, Frankfurt 2007, S. 366.
(3) Vgl. ebd., S. 369.
(4) Vgl. ebd., S. 372-373.

 

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