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Nachricht der Woche 23 - 2008

Kinderarmut im europäischen Vergleich – Großbritannien „Rekordhalter“

Die relative Armut von Kindern ist ein zentrales gesellschaftspolitisches Problem. Der jüngst veröffentlichte Arbeitsbericht des „Kompetenzzentrums für familienbezogene Leistungen“ des Bundesfamilienministeriums stellt die Armutsgefährdung von Kindern international vergleichend dar. Gezeigt werden die „Anteile armutsgefährdeter Kinder vor und nach Sozialtransfers und monetären Familienleistungen“ in Schweden, Finnland, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Österreich und Großbritannien. Demnach liegt das Armutsrisiko vor Familienleistungen und Sozialtransfers in Österreich bei 36, in Schweden bei 35, in Frankreich bei 34 sowie in Finnland und in Deutschland bei 31 Prozent. In Dänemark und den Niederlanden liegt das Armutsrisiko mit 26 bzw. 28 Prozent etwas niedriger. Sozialtransfers senken die Armutsquote deutlich: In Frankreich und Deutschland auf 26, in Schweden und Finnland auf 25, in den Niederlanden auf 22 und in Dänemark auf 16 Prozent. In Österreich sinkt das Armutsrisiko durch Sozialtransfers nur auf 31 Prozent. Unter Berücksichtigung der Familienleistungen sinken die Armutsrisiken weiter und gleichen sich zwischen den Ländern an: In den Niederlanden und Österreich liegt dann das Armutsrisiko für Kinder bei 15, in Frankreich und Deutschland bei 14, in Finnland und Dänemark bei 10 und in Schweden bei 9 Prozent. Deutschland unterscheidet sich damit nur wenig von seinen Nachbarländern.
Ein Sonderfall ist dagegen Großbritannien: Das Risiko für Kinder in Armut zu leben ist hier deutlich größer. Ohne Sozialtransfers und Familienleistungen würden in Großbritannien 42 Prozent der Kinder in Armut leben. Durch Sozialtransfers und Familienleistungen sinkt die Armutsgefährdung auf 32 bzw. 21 Prozent. Kinder in Großbritannien sind damit immer noch deutlich häufiger durch Armut gefährdet als in den anderen in den Vergleich einbezogenen europäischen Ländern (1).
Armut von Kindern kann verschiedene Teil-Ursachen haben, die in der politischen Diskussion auch genannt werden (niedrige Löhne, hohe Abgaben, etc.), Hauptursache ist die Leistungsungerechtigkeit gegenüber Familien in den Umlagesystemen – belegt durch Urteile des Bundesverfassungsgerichts - und nicht zuletzt auch die Trennung der Eltern und das Leben von Kindern mit nur einem Elternteil. International vergleichende Analysen ergeben, dass die Häufigkeit von Trennungen „von hoher Relevanz“ für das Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme von Familien ist. In Großbritannien ist der Anteil der Alleinerziehendenhaushalte sehr viel höher als in den Niederlanden, Frankreich, Deutschland oder Österreich. Die relativ hohe Armutsgefährdung von Kindern in Großbritannien dürfte – zumindest teilweise – in dieser Besonderheit der britischen Sozialstruktur begründet sein.

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(1) Vgl.: Kompetenzzentrum für familienbezogene Leistungen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Arbeitsbericht Zukunft für Familie, S. 20.
Vgl auch.: Walter Bien: Prekäre wirtschaftliche Lagen von Familien im internationalen Kontext, S. 39-56, in: Walter Bien/Alois Weidacher (Hrsg.): Leben neben der Wohlstandsgesellschaft. Familien in prekären Lebenslagen, Wiesbaden 2004.
 

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