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Nachricht der Woche 24 - 2008

Welches Sorgemodell für die Zukunft?

Die Familie soll „beschäftigungsfreundlicher“ werden. Dies ist das Ziel des von der Bundesregierung vorangetriebenen gesellschaftspolitischen Paradigmenwechsels. Die Zeit, die Erwachsene für nicht dem Erwerb dienende Tätigkeiten aufbringen können, wird damit knapper. Welche Zukunft hat die Sorgearbeit, die Familien bislang erbracht haben (für ihre Kinder und älteren Angehörigen, Nachbarn, Ehrenämter etc.)? […] Die amerikanische Soziologin Arlie Russell Hochschild unterscheidet vier Modelle der Sorge (care):

1. Die „traditionelle“ Lösung weist Frauen, insbesondere Müttern, die unbezahlte Sorgearbeit zu. Sie kann die Chancen von Frauen auf dem Erwerbsarbeitsmarkt vermindern. Andererseits kann sie auch eine notwendige Gegenwelt zur sachlich bestimmten Welt der Arbeit darstellen, in der Solidarität und andere zivilgesellschaftlich notwendige Tugenden erlernt und ausgeübt werden.

2. Das „postmoderne“ Modell bestreitet, dass überhaupt Sorgebedarf besteht. So gibt es Ansätze in der Kinderforschung, die schon in kleinen Kindern weitgehend selbstbestimmte und selbstbestimmungsfähige Akteure sehen, die für sich selbst sorgen könnten und auch sollten. Charakteristisch für solche Auffassungen sind Kinderbücher und Filmen mit Kindern als Helden, die (vermeintlich) weder Mutter noch Vater brauchen (z. B. „Kevin allein zu Haus“).

3. Das „kalte moderne“ Modell erkennt den Sorgebedarf prinzipiell an. Die Sorgearbeit soll aber nicht mehr von der Familie, sondern von öffentlichen Institutionen wahrgenommen werden, damit möglichst alle Erwachsenen erwerbstätig sind. Hier stellt sich die Frage, wie persönlich an der Individualität des Kindes bzw. des betreuungsbedürftigen älteren Menschen orientiert eine solche kommerzialisierte Sorgearbeit sein kann.

4. Die „warme moderne“ Lösung würde allen drei Institutionen des Wohlfahrtsdreiecks Familie – Markt – Staat einen angemessenen Platz in der Sorgearbeit zuweisen (1). Ansätze zu einem solchen Sorgemodell finden sich z. B. in Finnland und in Norwegen: Eltern kleiner Kinder können hier wählen, ob sie Betreuungsplätze als „Realtransfers“ in Anspruch nehmen, oder ob sie ein Betreuungsgeld als „Finanztransfer“ beziehen, das ihnen hilft ihre Kinder eigenhändig zu erziehen (2).


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(1) Vgl.: Ilona Ostner: Zukunft Familie, Zukunft der Kinder, S. 73.98, in: Diether Döring/Eduard J. M: Kröker (Hrsg.): Ist Deutschland zukunftsfähig? Frankfurt 2006, S. 97.

(2) Vgl.: Gerda Neyer et al: Fertilität, Familiengründung und Familienerweiterung in den nordischen Ländern, S. 207-234, in: Hans Bertram/Helga Krüger/C. Katharina Spieß (Hrsg.): Wem gehört die Familie der Zukunft? Expertisen zum 7. Familienbericht der Bundesregierung, S. 222. Speziell zum Fall Norwegen; Max Wingen: Der Beitrag der Familien zur Zukunftssicherung unserer Gesellschaft, 299-311, in: Frank Lettke/Andreas Lange: Generationen und Familien, S. 303.

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