Zitat der Woche 24 / 2008
Politik der Entfamilisierung in Europa – Wie die Wahlfreiheit von Eltern beschnitten wird – International vergleichende Analyse
„Die rot-grüne, inzwischen schwarz-rote, „nachhaltige“ kinder- und elternzentrierte Beschäftigungspolitik drückt sich zunächst in der „generalisierten“ Anwendung der Arbeitnehmernorm […] auf alle aus, auch auf Familien mit Kindern unter drei Jahren. […] Zukünftig wird Wahlfreiheit, hier: die Möglichkeit, in der Familienphase weniger oder kindgerecht flexibel zu arbeiten, aber mehr denn je von den individuellen finanziellen Möglichkeiten des Haushalts – paradoxerweise damit auch von den Einkommen des Partners – abhängen. Deutlich wird dies an der Behandlung von Müttern, die das 2004 eingeführte Arbeitslosengeld II (ALG II) beziehen. Sie müssen spätestens mit dem dritten Geburtstag des jüngsten Kindes dem Arbeitsmarkt für jede Beschäftigung zur Verfügung stehen […]. Nun kann man nicht unterstellen, dass sich ausgerechnet die ALG II beziehenden Mütter besonders nach der Erwerbsarbeit sehnen. (…] Abweichungen von der „Arbeitnehmernorm“ werden, […] für Eltern mit niedrigem Einkommen zunehmend unmöglich gemacht“ (1).Deutschland steht mit diesen Tendenzen nicht allein. Mary Daly stellt für das Europa der EU einen Wandel der Sozialpolitik in Richtung auf eine größere Geschlechtsneutralität fest, die eine Politik der Entfamilisierung beinhaltet und auf einen „neuen Vertrag zwischen Gesellschaft und Familie“ zielt. Er besteht in der Aufforderung an die Eltern (Mütter wie Väter), vor allem erwerbstätig zu sein, um dadurch der Armut, insbesondere ihrer Kinder, vorzubeugen, und die Kinder im Interesse einer sozialinvestiven Gesellschaftspolitik in fremde (versprochen werden professionellere) Hände zu geben. Logischerweise müssten sich heute feministische Forderungen demgegenüber wieder auf Zeit für (mit) Kindern jenseits von Markt und Staat richten“ (2).
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(1) Vgl.: Ilona Ostner: Paradigmenwechsel in der (west)deutschen Familienpolitik, S. 165-199, in: Peter A. Berger/Heike Kahlert (Hrsg.): Der demographische Wandel. Chancen für eine Neuordnung der Geschlechterverhältnisse, S. 188.
(2) Vgl. ebd., S. 192.