Zitat der Woche 25 / 2008
Spielball der Finanzen – wohin es führt, wenn Mütter ihre Arbeit selbst nicht hoch genug einschätzen
Die harmonisierende Redeweise von der Vereinbarkeit verschleiert, dass das intensive, emotionsbasierte Engagement für Familien- und Berufstätigkeit, das heute für Männer wie für Frauen ein akzeptiertes kulturelles Leitbild repräsentiert, bei den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen und angesichts der Defizite der Familienpolitik, der Arbeitspolitik und vieler anderer Politikbereiche in einem ständigen, oftmals konfliktbeladenen Spannungsverhältnis steht (1). [….]
Ein erster Hebel besteht darin, die derzeit immer noch unausgewogene gesellschaftliche Bewertung der Sphären „Erwerbsarbeit“ und „Familienarbeit“ immer wieder zu dekonstruieren und zu problematisieren. Wenn selbst erwerbstätige Mütter, die mehrere Kinder großgezogen haben, in Interviews genau diese Leistungen ihrer vielfältigen und reproduktiven Arbeiten gegenüber ihrer Erwerbstätigkeit abwerten und trivialisieren (Dierks 2005), dann wirft dies ein erhellendes Licht auf die Hegemonie des auf bezahlte Lohnarbeit zentrierten Verständnisses „eigentlich wichtiger Tätigkeit“ und die damit einhergehenden Anerkennungsstrukturen unserer westlichen Gesellschaften. Wenn diese Hierarchisierung weiter perpetuiert wird, dann wird Familienpolitik immer nur eine „abhängige Variable“ der Finanz- und Arbeitsmarktpolitik sein, ein Spielball der jeweiligen finanziellen Restriktionen bzw. Möglichkeiten (2).
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(1) Vgl.: Andreas Lange/Peggy Szymenderski: Arbeiten ohne Ende? Neue Entwicklungen im Spannungsfeld von Erwerbs- und Familienarbeit, S. 223-248, in: Frank Lettke/Andreas Lange: Generationen und Familien, S. 223.
(2) Vgl. ebd., S. 242.
