Zitat der Woche 28 - 2008
Generationensolidarität: Familien leisten mehr als staatliche Umverteilungssysteme
„Wenn es zur Pflege kommt, wird diese immer noch hauptsächlich in der Familie geleistet: in erster Linie durch die Ehepartnerin oder den Ehepartner, in zweiter Linie durch die Kindergeneration, insbesondere die (Schwieger)Töchter. Vor allem aber gibt es nach wie vor einen beträchtlichen materiellen Austausch zwischen den erwachsenen Familiengenerationen...
Es gibt ganz erhebliche materielle Transfers auch zwischen den erwachsenen Generationen in der Familie, und sie fließen ganz überwiegend von den älteren zu den jüngeren Generationen. Dem öffentlichen „Generationenvertrag“ – der Umverteilung von den Erwerbstätigen zu den Rentnern entspricht ein privater Transferfluss in der umgekehrten Richtung.
Unsere Befunde zeigen, dass die Älteren einen erheblichen Teil ihrer familialen Transfers – und im Übrigen auch ihrer „produktiven“ Tätigkeiten insgesamt – nur deshalb erbringen können, weil ihnen der öffentliche Generationenvertrag dazu die Mittel gibt. Von den Haushalten der 60-85jährigen Deutschen beziehen 93 Prozent mindestens eine Altersrente oder Pension, und das Einkommen daraus macht 83 Prozent des Gesamteinkommens der Haushalte aus. Erst auf diesem Hintergrund ist es dem Großteil der Älteren möglich, ihre Kinder und Enkel zu unterstützen. […]
Familien sind besser als staatliche Umverteilungssysteme dazu fähig, Notlagen zu beobachten, gezielt auf sie einzugehen und dabei das Problem des „moral hazard“ zu vermeiden. Transfers im Rahmen der Familie haben darüber hinaus nicht nur eine ökonomische Bedeutung, sie sind Teil eines umfassenden Beziehungsgeflechts, das ihren Wert steigert und gesellschaftliche Inklusion fördert.
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Vgl. Martin Kohli: Von der Gesellschaftsgeschichte zur Familie. Was leistet das Konzept der Generationen? S. 47-68, in: Frank Lettke/Andreas Lange: Generationen und Familien, Frankfurt 2007, S. 60-61 und 63-65.
