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Zitat der Woche 29 - 2008

 

Die Verlierer der künftigen Sozialreform

Die wirtschaftlich Starken sind aufgrund der immensen Wohlstandsmehrung in den frühindustrialisierten Ländern zu einer beachtlichen gesellschaftlichen Schicht herangewachsen, die, objektiv betrachtet, auf die sozialen Sicherungssysteme nicht oder nicht länger angewiesen ist. Mitunter sind sie sich dessen noch gar nicht bewusst. Aber mit jeder weiteren Erschütterung dieser Systeme wird den wirtschaftlich Starken, zu denen im Durchschnitt der frühindustrialisierten Länder schätzungsweise ein Zehntel der Bevölkerung zu zählen ist, bewusster werden, dass sie das alles nur am Rande berührt.

Dabei ist absehbar, dass die Wohlhabenheit der Wohlhabenden künftig noch zunehmen wird. Für die sozialen Sicherungssysteme bedeutet dies, dass sich eine immer größer werdende gesellschaftliche Schicht zumindest mental von ihnen löst. Die sozialen Sicherungssysteme als schützendes Dach für (fast) alle – das ist nicht mehr die Lebenswirklichkeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

Das gilt freilich nicht für die wirtschaftlich Schwachen. Sie brauchen dieses Dach auch künftig. Da sie aber ohnehin nicht viel zu verlieren haben, berührt auch sie der Umbau der sozialen Sicherungssysteme nur mäßig. Denn was immer aus diesen Systemen werden wird – das Existenzminimum werden sie nach menschlichem Ermessen auch künftig zur Verfügung stellen. Das aber ist alles, was für die wirtschaftlich Schwachen zählt.  (…)

Ganz anders ist die Lage der etwa drei Viertel der Bevölkerung, die zwischen den Bedürftigen auf der einen und den Gutbetuchten auf der anderen Seite stehen. Sie müssen sich darauf einstellen, dass die sozialen Sicherungssysteme auch ihnen – ähnlich wie den wirtschaftlich Schwachen – künftig nur noch eine Grundversorgung im Alter sowie bei Krankheit, Pflegebedürftigkeit und Arbeitslosigkeit gewähren werden.

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Vgl.: Meinhard Miegel: Epochenwende. Gewinnt der Westen die Zukunft? List Taschenbuch, Berlin 2007, S. 262 f.

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