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Zitat der Woche 30 - 2008

Sind die Zweifel an der „traditionellen“ Familie berechtigt?

Die moderne Familie wurde schon mehrfach verabschiedet, ihre Funktionalität des öfteren angezweifelt. Man sprach vom Funktions“verlust“, konterkarierte diese Rede mit der vom Funktions“wandel“, entdeckte mit den Lasten der Familie auch deren Leistungen, um dann doch aufs Neue zu zweifeln, ob diese denn den Herausforderungen der Zukunft  gewachsen sei. Auch die Lösung – staatliche Hilfe, insbesondere öffentliche Betreuung, zu ihrer Entlastung – ist nicht neu. Sie bestimmte schon die Ausführungen des Zweiten Familienberichts 1975 (1). […]

Anders als in den späten 60er Jahren erhält heute der Zweifel an der Leistungsfähigkeit der Familie paradoxerweise seine Nahrung aus beidem, dem Stillstand und dem Wandel der Familie in Deutschland: zum einen daraus, dass sich die Familie und ihr Personal so wenig geändert hätten, strukturell und kulturell konservativ geblieben seien; dass zum anderen der Wandel der Familie, die Vielfalt der Familienformen und familialen Lebensweisen eine sichere Orientierung der Kinder erschwerten. […]

Beide Diagnosen münden in eine vielfache Relativierung der Relevanz von Familie, ihrer Sorge- und Erziehungsleistungen für die Kinder, letztlich für die Gesellschaft – und in das Plädoyer für eine weitergehende „De- Familisierung“. Es gebe keinen gesicherten Hinweis darauf, schreibt Norbert Schneider (Schneider 2002, 18), dass die „traditionelle“ – ich bevorzuge den Begriff der „modernen“, das heißt der ehelichen und funktional differenzierten Familie - „die bestmögliche Gewähr für eine glückliche und liebevolle Erziehung“ biete (2). […]

Die zitierten Aussagen reizen zu vielerlei Fragen und Einwänden. So könnte man z. B. fragen, ob nicht stabile Zwei- Eltern- Familien nach wie vor die relativ besseren Voraussetzungen dafür besitzen, alle vier Komponenten zu vereinigen. Schließlich lebt die Mehrheit der Kinder in stabilen Zwei- Eltern- Familien. Leben sie dort, haben sie auch häufiger Geschwister. Neuere Studien zur Armut von Kindern und zum abweichenden Verhalten von Jugendlichen legen solche Zusammenhänge durchaus nahe. Es fehlen allerdings systematische und dynamische Vergleiche der Leistungen verschiedener Familienformen für das Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen, ihren Bildungserfolg, die Chancen der Einmündung in den Arbeitsmarkt, ihr Verbleiben dort und den Weg in die eigene Familie" (3).

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(1) Vgl. Ilona Ostner: Am Kind vorbei – Ideen und Interessen in der jüngeren Familienpolitik, in: ZSE, 22. Jg. 2002, S. 249-265, S. 249-250.

(2) Vgl. ebd., S. 252.

(3) Vgl. ebd., S. 253.

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