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Nachricht der Woche 30 - 2008

Institut der deutschen Wirtschaft: Aufwachsen mit beiden leiblichen Eltern fördert die psychische Gesundheit von Jugendlichen 

Im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die kürzlich veröffentliche Expertise „Sozialbilanz Familie“ – eine ökonomische Analyse mit Schlussfolgerungen für die Familienpolitik erstellt. Im Rahmen dieser Expertise wurde auch untersucht, inwiefern Familien dazu beitragen können, die sozialen Folgekosten gesundheitsschädlicher und sozial abweichender Verhaltensweisen zu verringern (1). Als Grundlage der Untersuchung dienten den Wissenschaftlern des IW Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) des Robert Koch-Instituts. Diese Daten wurden im Blick auf eine Vielzahl von Faktoren, die den Gesundheitszustand von Jugendlichen im Alter von 11-17 Jahren beeinflussen können, ausgewertet (2). Ein besonderes Augenmerk galt dabei dem Einfluss der Familienstruktur, die nach dem Aufwachsen bei beiden leiblichen Eltern, bei Alleinerziehenden und in einer Patchwork- Familie unterschieden wurde. Als Indikatoren der gesundheitlichen Entwicklung wurden subjektives Wohlbefinden, Alkohol- und Nikotinkonsum, Übergewicht und psychische Auffälligkeiten betrachtet (3). Anlass für derartige Analysen geben unter anderem Befunde aus der amtlichen Statistik, denen zufolge Kinder Alleinerziehender häufiger erkranken als Kinder, die bei (Ehe)Paaren aufwachsen (4).

Die umfangreichen Daten des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys zeigen, dass Jugendliche, die nicht in Paarfamilien mit leiblichen Eltern aufwachsen, hinsichtlich Rauchens, Übergewicht und psychischer Auffälligkeiten schlechter dastehen (5). Mit Hilfe moderner statistischer Analyseverfahren haben die Forscher untersucht, ob die Familienstruktur an sich oder ungünstige Rahmenbedingungen (z. B. Einkommensarmut) für die tendenziell schwierigere gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen in nicht-traditionellen Familienstrukturen ursächlich sind. Die Analyse ergibt für die verschiedenen Indikatoren ein differenziertes Bild der Zusammenhänge zwischen Familienstruktur und Gesundheit. So zeigen sich hinsichtlich der subjektiven Einschätzung ihres Gesundheitszustands, des Konsums von Alkohol und der Neigung zu Übergewicht keine oder nur relativ geringe Unterschiede zwischen Jugendlichen aus verschiedenen Familienstrukturen. Einen gewissen Einfluss hat die Familienstruktur dagegen auf den Nikotinkonsum: Jugendliche, die mit nur einem Elternteil oder in einer Patchwork-Familie aufwuchsen, rauchen häufiger (6).

Signifikant ist die Häufung psychischer Auffälligkeiten von Jugendlichen, die bei Alleinerziehenden und in Patchwork-Familien aufwachsen. Unterschiedliche Rahmenbedingungen, wie etwa die im Vergleich zu Paarfamilien schlechtere wirtschaftliche Lage von Haushalten Alleinerziehender, können dieses Problem nur zum Teil erklären. Denn auch innerhalb derselben gesellschaftlichen Schicht ist das Risiko psychischer Auffälligkeiten für Jugendliche, die in Patchwork-Familien und bei Alleinerziehenden leben, höher als bei denen, die bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen (7). Das Aufwachsen mit beiden leiblichen Eltern ist offenbar ein nicht zu unterschätzender Schutzfaktor für die psychische Gesundheit junger Menschen. Ein Schutzfaktor, der auch für das Gemeinwesen bedeutsam ist – nicht nur in fiskalischer Hinsicht.

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 (1) Vgl.: Bundesministerium für Familie, Senioren Frauen und Jugend: Sozialbilanz Familie. Eine ökonomische Analyse mit Schlussfolgerungen für die Familienpolitik, Expertise für das Kompetenzzentrum für familienbezogene Leistungen im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Erstellt durch: Laura Diekmann et al, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Juni 2008, S. 4.

(2) Es wurden nur Kinder ab 11 Jahren in die Analyse einbezogen, da erst ab diesem Alter Angaben über die Schutzfaktoren erhoben werden können.

(3) Vgl. ebd., S. 59.

(4) Vgl.: Evelyn Laue/Ingeborg Vorndran: Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, STAT-Magazin vom 3.4.2008, Statistisches Bundesamt Wiesbaden 2008, S. 1/ Abbildung 1.

(5) Vgl.: Laura Diekmann et al, Juni 2008, S. 68.

(6) Vgl. ebd., S. 72-79.

(7) Vgl. ebd., S. 76.

 

 

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