Zitat der Woche 33 - 2008
Immigration, Demographie und Selbstverständnis Europas
„Manche Briefe, die ich bekomme, sind besorgt, auch aggressiv, gegen Immigration, besonders gegen die Zunahme der Muslime bei uns. Die Kirche, die Caritas sei schuld, heißt es pauschal. Zuerst muss zwischen Asyl und Immigration unterschieden werden. […] Der Staat hat das Recht und die Pflicht, hier ordnend einzugreifen. Er hat das Recht und die Pflicht, gewisse Bedingungen aufzustellen: Ja zur Verfassung, zur Gesetzordnung des Landes, Respekt vor der bestehenden Kultur. Aber auch die Forderung nach Bereitschaft zum Zusammenleben, zum Annehmen des Fremden als Anderen. Bei allen Mängeln war doch die österreichische k.u.k. Monarchie ein selten gut gelungenes Beispiel vom Zusammenleben vieler Völker, Kulturen und Religionen.
Die Immigrationsfrage stellt aber auch Rückfragen an uns. Da ist zuerst die demographische Frage. Das heutige Europa hat dreimal de facto nein zu seiner Zukunft gesagt: Nach neuesten Statistiken betreffend die deutsche Bevölkerung kommen auf 100 Eltern 66 Kinder und 40 Enkel, ohne die Immigration. Wir haben das "Ja zum Leben" abgelehnt. Heuer ist es 40 Jahre her, dass "Humanae vitae" veröffentlicht wurde. In unserem Land (1975) und in ganz Europa wurde die Abtreibung freigegeben. Wenn jetzt auch die sogenannte "Homoehe" bei uns abgesegnet würde, das muss man, abgesehen von aller moralischen Beurteilung, ganz nüchtern sagen, ist das ein konkretes Nein zur Zukunft, weil es ein Nein zu Kindern ist. Der Immigrationsdruck ist auch eine Folge dessen, was Europa als Entscheidung für seine eigene Zukunft getroffen hat. Ich weiß, das sind harte Worte, aber es sind Fakten.“
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Christoph Kardinal Schönborn: 7. Katechese: Die Werke der Barmherzigkeit, Wien 13. April 2008, http://stephanscom.at/edw/katechesen/0/articles/2008/05/06/a14701/
