Migration – Religion – Geburten
8,6 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern gibt es in Deutschland. Nach Erkenntnissen des Statistischen Bundesamts hat mehr als jede vierte von ihnen (27%) einen Migrationshintergrund. Nach der Definition der amtlichen Statistik sind Familien mit Migrationshintergrund Eltern-Kind-Gemeinschaften, bei denen mindestens ein Elternteil eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzt oder die deutsche Staatsangehörigkeit durch Einbürgerung bzw. einbürgerungsgleiche Maßnahmen erhalten hat. Bei diesen Familien mit Migrationshintergrund handelt es sich folglich um eine sehr heterogene Gruppe: Eltern aus außereuropäischen Kulturkreisen mit ihren Kindern zählen hierzu genauso, wie Familien von Deutschen mit ausländischen Ehe- bzw. Lebenspartnern und die Familien von deutschstämmigen Aussiedlern.
Im Jahr 2007 wuchsen bei den gut 2,3 Millionen Familien mit Migrationshintergrund insgesamt 4,0 Millionen minderjährige Kinder auf. Zur gleichen Zeit lebten in den gut 6,2 Millionen Familien ohne Migrationshintergrund 9,8 Millionen minderjährige Kinder. Annähernd 30 Prozent aller minderjährigen Kinder in Deutschland wachsen demnach in Familien mit einem Migrationshintergrund auf. Während die Familien ohne Migrationshintergrund durchschnittlich 1,56 Minderjährige betreuten, lebten bei den Familien mit Migrationshintergrund durchschnittlich 1,74 Minderjährige. Diese Differenz ist vor allem auf die Mehrkinderfamilien zurückzuführen: 16% der Familien mit Migrationshintergrund versorgten mindestens drei minderjährige Kinder im Haushalt, während es bei Familien ohne Migrationshintergrund nur 9 % sind (1).
Über die sozialen und kulturellen Hintergründe des größeren Kinderreichtums der Familien mit Migrationshintergrund ermöglicht die amtliche Statistik kaum nähere Aufschlüsse. Diese bietet dafür der Familiensurvey, eine vom Bundesfamilienministerium geförderte umfassende Untersuchung über familiale Lebensverhältnisse in Deutschland. Nach den Erkenntnissen aus dem Familiensurvey praktizieren Menschen mit Migrationshintergrund „konservativere Lebensformen“ als Deutsche ohne Migrationshintergrund, was sich vor allem in niedrigeren Anteilen Lediger und höheren Anteilen Verheirateter niederschlägt. Die höhere Heiratsneigung geht einher mit geringeren Anteilen von Kinderlosen und höheren Kinderzahlen (2). Charakteristisch für Menschen mit Migrationshintergrund ist auch eine stärkere Religiosität: Knapp 40 Prozent der Deutschen, aber fast 72 Prozent der Ausländer geben an, dass Gott in ihrem Leben ein wichtige Rolle spielt. In der Gruppe der Ausländer mit moslemischem Bekenntnis geben dies sogar über 81 Prozent an (3). Die Muslime zeichnen sich zugleich durch die im Vergleich der Religions- bzw. Weltanschauungsgemeinschaften geringste Kinderlosigkeit und die größte Verbreitung kinderreicher Familien aus. Für die Gruppe der Konfessions- und Religionslosen gilt das genaue Gegenteil – sie sind am häufigsten kinderlos und gründen am seltensten Familien mit mehreren Kindern (4).
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(1) Vgl.:
St€atistisches Bundesamt: Jede vierte Familie in
Deutschland hat einen Migrationshintergrund, Pressemitteilung Nr. 281 vom
05.08.2008.
(2) Vgl.: Jan H. Marbach: Personen mit und ohne Migrationshintergrund – Fragen der Integration im Licht des DJI- Familiensurvey, S. 279-332, in: Walter Bien/Jan Marbach (Hrsg.): Familiale Beziehungen, Familienalltag und soziale Netzwerke. Ergebnisse der drei Wellen des Familiensurvey, Wiesbaden 2008, S. 328.
