Woche 34 - 2008
Herwig Birg: Alterung, Sozialsysteme und Erziehungsleistung
Die Wirkungen des wachstumsdämpfenden Einflusses der demographischen Entwicklung auf das Wirtschaftswachstum lassen sich nicht exakt vorausberechnen. Im Gegensatz dazu sind die Auswirkungen der zunehmenden Alterung auf die Einnahmen und Ausgaben der sozialen Sicherungssysteme (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) klar zu überblicken (1). […]
Die demographische Alterung erhöht die Ausgaben und senkt die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Einnahmen schrumpfen wegen der demographisch bedingt abnehmenden Zahl der Personen im erwerbstätigen Alter, von der die Zahl der Beitragszahler abhängt, bis 2040 um rund 30 %. Gleichzeitig nehmen die Ausgaben aufgrund von zwei Faktoren zu, zum einen erhöht sich die Zahl der älteren Personen, zum anderen steigen die Ausgaben aufgrund der mit höherem Alter zunehmenden Pro- Kopf- Ausgaben für die Gesundheit. […] Die demographisch bedingten Einnahmeausfälle und Ausgabensteigerungen der gesetzlichen Rentenversicherung lassen sich – wenigstens hypothetisch – durch eine Anhebung des Ruhestandsalters begrenzen, bei der Kranken- und Pflegeversicherung ist nicht einmal dieser rein theoretische Ausweg vorhanden, weil die mit steigendem Alter zunehmenden Pro- Kopf- Ausgaben für die Gesundheit unausweichlich sind, selbst wenn das Ruhestandsalter problemlos erhöht werden könnte (2). […]Die demographische Alterung hat ähnlich wie in der gesetzlichen Krankenversicherung auch in der Pflegeversicherung einnahmensenkende und ausgabenerhöhende Auswirkungen. Auch hier steigen die Pro- Kopf- Ausgaben für Pflegeleistungen mit steigendem Alter steil an: […] Der weitaus überwiegende Teil der Pflegeleistungen wird von den Familienmitgliedern der Pflegebedürftigen und deren Kindern erbracht. Die Zahl der Pflegebedürftigen, die kinderlos bleiben und außerfamiliale Pflegeleistungen in Anspruch nehmen müssen, wird sich besonders stark erhöhen, Dies führt zu dem Problem, dass das Prinzip der Beitragsgerechtigkeit verletzt wird, wenn die Zahl der Nachkommen und deren Pflegeleistungen bei der Tarifgestaltung nicht berücksichtigt wird (3).
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(1) Vgl.: Herwig Birg:
Perspektiven der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und Europa –
Konsequenzen für die sozialen Sicherungssysteme, Unterlagen für den Vortrag bei
der Sachverständigenanhörung in Karlsruhe, 4. Juli 2000, S. 13, www.herwig-birg.de
(2) Vgl. ebd., S. 24 f.
(3) Vgl.
ebd., S. 28.
