Nachricht der Woche 35 - 2008
Männer, Kinderwunsch und generatives Verhalten
Die Beteiligung von Männern an Familienarbeit und Kindererziehung setzt zunächst einmal voraus, dass sie eine Familie gründen und Väter werden. Dies ist keineswegs selbstverständlich, schließlich ist Kinderlosigkeit unter Männern noch verbreiteter als unter Frauen (1). Biographische und berufliche Rahmenbedingungen haben für Männer dabei eine andere Bedeutung als für Frauen. Während bei Frauen der Wunsch nach Kindern auch „abstrakt“ existiert, entsteht der Kinderwunsch bei Männern erst vor dem Hintergrund einer konkreten Paarbeziehung. Bedeutsam ist nicht nur die bloße Existenz einer Partnerschaft, sondern auch deren Dauer und Stabilität (2). Vor diesem Hintergrund zeigten Analysen auf der Grundlage des Familiensurveys des Deutschen Jugendinstituts, dass nicht nur das faktische Familiengründungsverhalten, sondern schon der Wunsch nach Kindern bei Männern eng an die Heiratsneigung gekoppelt ist. Fast 45 Prozent der westdeutschen Männer im Alter von 36 bis 45 Jahren, die in einer nicht-ehelichen Lebensgemeinschaft lebten, präferierten die dauerhafte Kinderlosigkeit. Von den verheirateten Männern wünschten sich dagegen etwa 90 Prozent Kinder (3). Besteht eine feste Partnerschaft bzw. Ehe war für Männer auch das Alter der Partnerin wichtig. Ein zu hohes Alter der Partnerin ist der von Männern am zweithäufigsten genannte Grund, der gegen die Entscheidung für ein (weiteres) Kind spricht (4). Bei Frauen spielt dagegen das Alter des männlichen Partners für den Wunsch nach Kindern eine weniger bedeutende Rolle (5).
Neben der Partnerschaftsstabilität war auch die berufliche Planungssicherheit für Männer von größerer Bedeutung als für Frauen. Stabile Berufskarrieren und steigende Einkommen begünstigten bei Männern nicht nur die Familiengründung, sondern bereits den Wunsch nach eigenen Kindern (6). Zu hohe Kosten sind für Männer einer der wichtigsten Gründe gegen Kinder. Anders als für Frauen stellten beruflich bedingte Opportunitätskosten für Männer keine eigenständige Dimension der Kosten von Kindern dar. Aus ihrer Sicht fallen sie mit den direkten Kosten für den Lebensunterhalt von Kindern zusammen (7). Probleme mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielen folglich als Hinderungsgründe für die Elternschaft von Männern nur eine untergeordnete Rolle (8).
Als Hinderungsgrund nicht unwichtig waren – für Männer wie für Frauen – die freizeitbezogenen Opportunitätskosten. Erwartete Belastungen für die Freizeitgestaltung verringerten sowohl die Neigung zur Familiengründung wie zur Familienerweiterung. Insbesondere konfessionslose Befragte nahmen diesen Beweggrund gegen Kinder vergleichsweise stark wahr. Ebenso bedeuten Kinder für die – überdurchschnittlich häufig kinderlosen – Befragten ohne Konfessionszugehörigkeit seltener einen zentralen Lebenssinn (9).
Generell konstatierten die Forscher, dass „immaterielle Werte der Elternschaft“ sowohl für Männer als auch für Frauen verhaltensrelevante Motive im Blick auf Familiengründung und Familienerweiterung sind. Nicht nur berufliche und materielle Rahmenbedingungen, sondern auch ihre persönlichen Werthaltungen und nicht zuletzt die Stabilität ihrer Partnerschaften entscheiden also darüber, ob Männer Väter werden.
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(1) Vgl. Jan Eckhard/Thomas Klein: Männer, Kinderwunsch und generatives Verhalten. Eine Auswertung des Familiensurvey zu Geschlechterunterschieden in der Motivation zur Elternschaft, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, S. 23-24.
(2) Vgl. Ebd., S. 41-44 und S. 69.
(3) Ebd., S. 64-67.
(4) Vgl. Abbildung unten.
(5) Ebd., S. 40-44.
(6) Ebd., S. 27-28 sowie S. 61.
(7) Ebd., S. 75.
(8) Vgl. Abbildung unten.
(9) Ebd., S. 182. Zur Verbreitung von Kinderlosigkeit nach Konfessions- bzw. Religionszugehörigkeit: http://www.i-daf.org/73--woche-33-2008.html.
