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Nachricht der Woche 39 - 2008

Religion: Mehr Stabilität, mehr Ehen, mehr Kinder

 

Religiosität hat einen deutlich messbaren Einfluss auf das Geburtenverhalten. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Vienna Institute of Demography. In einer europaweiten Studie haben sie den Zusammenhang zwischen (christlicher) Gläubigkeit, dem Wunsch nach Kindern und der Kinderzahl von Frauen unter 40 Jahren untersucht. Die Studie zeigt, dass Frauen, wenn sie religiös sind, durchschnittlich eine deutlich höhere Kinderzahl als ideal ansehen. Dies gilt für fast alle Länder Europas. Unerheblich ist in diesem Zusammenhang, welche konfessionelle Prägung die einzelnen Länder haben oder welche Rolle die Religion im öffentlichen Leben spielt. Der Befund ist derselbe in so unterschiedlichen Ländern wie Deutschland, Finnland, Italien und Tschechien.

 

Dass Ideale und Wertvorstellungen von der Religiosität mitgeprägt werden, ist kaum überraschend. Interessant ist die Frage, ob solche Ideale in die Realität auch umgesetzt werden. Tatsächlich bekommen in ganz Europa religiöse Frauen insgesamt mehr Kinder als der Religion fernstehende Frauen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie sich nicht nur subjektiv als religiös einschätzen, sondern auch regelmäßig Gottesdienste besuchen (1). Solche Befunde aber, die zeigen, dass die Religiosität das Geburtenverhalten beeinflusst, werfen die Frage auf, wie dieser Einfluss zu erklären ist (2).

 

Der Familiensurvey des Deutschen Jugendinstituts – eine umfangreiche Erhebung über die Partnerschafts- und Familienverhältnisse in Deutschland – gibt hierzu Hinweise. Seine Auswertung zeigt, dass die Befragten umso häufiger kinderlos sind, je unwichtiger sie Religion finden. Die Befragten, für deren Leben der Glaube an Gott unwichtig war, hatten auch selten drei oder mehr Kinder. Auch zwei Kinder hatten sie seltener als die Befragten, für die Gott in ihrem Leben „sehr wichtig“ oder „ziemlich wichtig“ war. Die religiösen Befragten waren zudem selten kinderlos und hatten umgekehrt deutlich häufiger drei und mehr Kinder.

 

Die Entscheidung für Kinder setzt in der Regel die Existenz einer festen Partnerschaft voraus. Von den Befragten, für die Gott in ihrem Leben „sehr wichtig“ oder „ziemlich wichtig“ war, lebten mehr als zwei Drittel mit einem Partner in einem gemeinsamen Haushalt zusammen. Nur etwa 15-16 Prozent dieser religiösen Befragten waren Ledige ohne feste Partnerbeziehung. Von den Befragten, für die Gott „völlig unwichtig“ war, lebten dagegen mehr als dreißig Prozent als Ledige ohne feste Partnerbeziehung. Weniger als die Hälfte dieser Gruppe lebte mit einem Partner in einem gemeinsamen Haushalt zusammen, nur knapp 34 Prozent waren verheiratet. Die partnerschaftsbezogenen Voraussetzungen für das Leben mit Kindern waren bei den areligiösen Befragten also deutlich seltener gegeben als bei den religiösen Befragten. Dies gilt vor allem im Blick auf größere Familien, die in aller Regel auf eine Ehe gegründet sind (3). Offensichtlich begünstigt religiöser Glaube Lebensformen, die der Gründung von Familien, auch solcher mit mehreren Kindern, förderlich sind.

 

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(1) Vgl.: Caroline Berghammer: Mehr Nachwuchs für religiöse Mütter in Europa. Einfluss von Religion auf das Geburtenverhalten in allen Ländern zu beobachten, in: Demographische Forschung aus erster Hand, Jahrgang 5, Nr. 1/2008, S. 3. Der Beitrag ist eine Zusammenfassung des Fachaufsatzes: Philipov, D. and C. Berghammer: Religion and fertility ideals, intentions and behaviour: a comparative study of European countries. In: Vienna yearbook of population research 2007, W. Lutz (Ed.). Vienna Institute of Demography of the Austrian Academy of Sciences, Vienna 2007, 271-305

 

(2) Als Beispiel für Beiträge, die sich mit der Erklärung dieser Unterschiede beschäftigen sei hingewiesen auf: Nicole Brose, Gegen den Strom der Zeit? – Vom Einfluss der religiösen Zugehörigkeit und Religiosität auf die Geburt von Kindern und die Wahrnehmung des Kindernutzens, S. 257-282, in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Ausgabe 2/2006. Ferner: Michael Blume/Carsten Ramsel/Sven Graupner: Religiosität als demographischer Faktor – ein unterschätzter Zusammenhang, S. 1-24. in: Marburg Journal of Religion, Volume 11, No. 1 (June 2006).

 

(3) Vgl.: Stefan Fuchs: Mehrkinderfamilien in Deutschland – Ziele des Bundesfamilienministeriums und Erkenntnisse der empirischen Sozialforschung (2), http://www.erziehungstrends.de/familie/familienpolitik?from=10

 

 

 

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