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Nachricht der Woche 40 –- 2008

Weniger Zeit für sich: Väter und ihr Engagement für die Familie

Männer sollen sich mehr an Familienarbeit und Kindererziehung beteiligen. Dieses Anliegen ist in der öffentlichen Debatte über Familie und Erziehung unbestritten. Hinsichtlich des Engagements von Vätern in der Familienarbeit gibt es dagegen sehr unterschiedliche Perzeptionen. Einerseits wird von „neuen“ Vätern gesprochen, die Aufgaben wie Säuglingspflege und Kleinkinderbetreuung übernehmen, was man bis vor kurzem noch als Domäne der Frauen sah. Andererseits wird bemängelt, dass sich Männer immer noch zu wenig im Haushalt und der Kindererziehung engagieren und diese Arbeit Frauen überlassen würden. 

Empirische Analysen auf der Basis der Zeitbudgeterhebung des Statistischen Bundesamts zeigen ein differenzierteres Bild der Beteiligung von Männern an der Familienarbeit. Zunächst: Männer setzen durchschnittlich für die Erwerbsarbeit wesentlich mehr Zeit ein als Frauen. Väter wiederum wenden für die Erwerbsarbeit noch mehr Zeit auf als kinderlose Männer. Mit jedem Kind im Haushalt nimmt der zeitliche Umfang der Erwerbsarbeit von Männern zu. Gleichzeitig steigt mit jedem Kind aber auch der Anteil der für Haus- und Familienarbeit aufgewendeten Zeit. Der zeitliche Schwerpunkt der von Vätern geleisteten Haus- und Familienarbeit liegt dabei eindeutig bei der Kinderbetreuung. 

Woher nehmen Väter – trotz ihrer beruflichen Beanspruchung – die Zeit für ihre Kinder? Vor allem beschränken sie die Zeit für ihre eigene physische Regeneration. Sie nehmen sich weniger Zeit für die Körperpflege, weniger Zeit zum Essen und schlafen täglich rund 20 Minuten weniger als Männer in kinderlosen Paarhaushalten (1). Besonders beansprucht sind Väter von Kindern unter drei Jahren: Sie weisen den höchsten Zeitwert aller Männer für die Haus- und Familienarbeit auf.

Aus ihrer Analyse der männlichen Zeitverwendungsmuster ziehen Forscher deshalb den Schluss, dass Klischees von Männern, die sich zu Hause als „Pascha“ gerieren, empirisch nicht haltbar sind. Auch Bilder vom Vater als „Zaungast in der eigenen Familie“ oder vom (Ehe-)Partner, der seine Junggesellenexistenz bruchlos weiterführt, können keinesfalls bestätigt werden. Vielmehr folgt die Zeitverwendung bei Vätern der Entwicklung der jeweiligen „Haushaltsstruktur“, also insbesondere den Anforderungen, die sich aus der Erziehung von Kindern ergeben. Um ihre Kinder ernähren und erziehen zu können, nehmen Väter ebenso wie Mütter Einbußen in ihrer „persönlichen Zeit“, zum Beispiel bei Erholung und Freizeit in Kauf (2).

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(1) Auf diese Zusammenhänge hat der Familiensoziologe Hans Bertram in einem Interview mit dem Tagesspiegel hingewiesen: „Die Eltern reduzieren nicht ihre Zeit für die Kinder oder die Zeit für ihren Beruf – sie reduzieren ihre persönliche Zeit. Deswegen wirken viele Eltern etwas angeschmuddelt: Sie nehmen sich weniger Zeit für ihre Körperpflege, den Kauf von Kleidern, Besuche im Kino, ihre persönlichen Bedürfnisse“, vgl.: „Was Eltern heute stemmen“, Tagesspiegel vom 31.8.2008,

http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonderthemen-Erziehung-2008-Erziehung;art893,2604384

(2) Vgl.: Peter Döge/Rainer Volz: Was machen Männer mit Ihrer Zeit? – Zeitverwendung deutscher Männer nach den Ergebnissen der Zeitbudgetstudie 2001/2002, S. 194-215, in: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Alltag in Deutschland. Analysen zur Zeitverwendung, Wiesbaden 2004.

 

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