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Zitat der Woche 41 - 2008

Dollardiplomatie ohne Dollars, Herde ohne Hirten

Unter Wirtschaftshistorikern herrscht keine Übereinstimmung in Hinblick auf die Frage, ob die Globalisierung heute weiter geht als im Jahrzehnt vor dem ersten Weltkrieg oder nicht. Die Antwort hängt davon ab, an welchen Indikatoren sie sich orientieren – und möglicherweise auch davon, aus welchem Land sie kommen. […] Die globalen Märkte für Güter und Kapital sind heute offener als je zuvor. […] Auf der anderen Seite ist der globale Markt für Arbeitskräfte höchstwahrscheinlich weniger offen, als er es vor einem Jahrhundert war. […]

Vielleicht besteht der entscheidende Unterschied zwischen damals und heute darin, dass Großbritannien ein Nettoexporteur von Kapital war, während es sich bei den Vereinigten Staaten heute ganz anders verhält. Sie haben ihre Vorherrschaft über die internationalen Kapitalmärkte nicht benutzt, um Kapital zu exportieren – was sie netto bis etwa 1972 taten –, sondern um es zu importieren. Das schränkt die finanziellen Druckmittel ihrer Außenpolitik sehr stark ein, kann es doch keine „Dollardiplomatie“ ohne Dollars geben. Die Hegemonialmacht der Welt im heutigen Zeitalter der Globalisierung besitzt sehr viel weniger finanzielle Druckmittel als jene des ersten Zeitalters. Das ist einer der Gründe, warum die Vereinigten Staaten, obwohl sie über einige wenige quasi- koloniale, abhängige Gebiete verfügen, dennoch nicht die Art von formeller oder informeller Kontrolle über die Weltwirtschaft ausüben können wie Großbritannien zu seiner imperialen Glanzzeit.

Einige werden behaupten, all dies spiele keine Rolle. Im Jahre 1999 veröffentlichte der amerikanische Journalist Thomas Friedman ein imaginäres Gespräch zwischen dem früheren US- Finanzminister Robert Rubin und dem malaysischen Premierminister Mahatir bin Mohammad. […] Friedman beschreibt internationale Investoren und die vermeintlichen „Herren des Universums“, die in ihrem Auftrag handeln, als eine „elektronische Herde“. Das Problem liegt darin, dass eine Herde – insbesondere ohne einen Hirten – dazu neigt, in panischer Flucht davonzujagen.

 

Niall Ferguson: Politik ohne Macht. Das fatale Vertrauen in die Wirtschaft, München 2003, S. 293-298.

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