Nachricht der Woche 43 - 2008
Bildung der Kinder: Engagement beider Eltern ist mitentscheidend
Noch nie gab es in Deutschland eine so gut ausgebildete junge Generation wie heute. Dies zeigt die langfristige Entwicklung der Bildungsbeteiligung. Einerseits erwerben sehr viel mehr junge Menschen als früher höhere Bildungsabschlüsse: In den 50er Jahren lag der Anteil der Abiturienten unter den 18-19-Jährigen unter fünf Prozent. Mittlerweile schließen dagegen etwa 40 Prozent eines Jahrgangs ihre Schulzeit mit dem Abitur (oder der Fachhochschulreife) ab (1). Auch die Zahl der Hochschulabsolventen ist in den letzen Jahrzehnten stark gestiegen: Während 1970 nur etwa 8 Prozent eines Jahrgangs einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss erwarben, waren es im Jahr 2006 schon 22 Prozent. Auch ist der Anteil der jungen Menschen ohne abgeschlossene Schul- und Berufsausbildung deutlich zurückgegangen: Im Jahr 1960 hatte fast jeder fünfte Jugendliche keinen Hauptschulabschluss, im Jahr 2003 traf dies auf weniger als jeden zehnten Jugendlichen zu. In den 60er Jahren arbeiteten mehr als ein Drittel der Jugendlichen unmittelbar nach dem Schulabschluss als an- oder ungelernte Arbeiter. Gegenwärtig haben dagegen etwa 85 Prozent der 20-30-Jährigen einen Berufsabschluss (2). Diese Fortschritte in der Ausbildung junger Menschen haben in den vergangen Jahrzehnten entscheidend zum Wohlstandswachstum in Deutschland beigetragen. Nach Einschätzung des Familiensoziologen Prof. Hans Bertram ist die verbesserte Ausbildung der jüngeren Generation vor allem dem Engagement der Eltern zu verdanken. Schließlich sei die Schule in ihren Strukturen dieselbe geblieben. Die heutige Elterngeneration leiste dagegen mehr als „alle vorangegangenen Generationen“. Gerade Eltern aus der Mittelschicht investierten sehr viel in die Ausbildung ihrer Kinder. Dies seien nicht nur Investitionen von materiellen Ressourcen, sondern insbesondere an Zeit und Aufmerksamkeit (3).
Zeit und Aufmerksamkeit der Eltern sind für den Schul- und Ausbildungserfolg von Kindern mitentscheidend. Sie sollten nicht nur über die Schul-Situation des Kindes im Bilde sein. Hilfreich ist neben dem regelmäßigen Gespräch mit dem Kind auch Unterstützung bei den Hausaufgaben. Diese Erziehungsaufgaben werden zwar überwiegend, aber keineswegs ausschließlich von Müttern wahrgenommen. Auch Väter beschäftigen sich durchaus intensiv mit den schulischen Belangen ihrer Kinder, nicht zuletzt indem sie ihnen bei den Hausaufgaben helfen (4).
Das gemeinsame Engagement beider Eltern für den Lernerfolg ihrer Kinder lohnt sich. Darauf deuten Erkenntnisse aus dem Familiensurvey des Deutschen Jugendinstituts hin. Demnach sind mehr als 70 Prozent der Mütter in „Kernfamilien“ (leibliche Eltern und Kinder) mit den Schulleistungen ihrer Kinder zufrieden (5). Mit beiden leiblichen Eltern aufwachsende Kinder besuchen häufiger als Kinder in anderen Familienkonstellationen das Gymnasium (6). Zudem müssen sie in der Schule nur relativ selten eine Klasse wiederholen(7). Für den Lernerfolg von Kindern scheint also das zeitliche und emotionale Engagement beider Eltern wichtig zu sein (8). Fazit: Gemeinsame Erziehungsanstrengungen von Müttern und Vätern tragen erheblich dazu bei, die nachwachsende Generation besser zu qualifizieren und das für die Zukunft der Gesellschaft notwendige kulturelle Kapital zu bilden.
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(1) Vgl. Ludwig Stecher: Schule als Familienproblem? Wie Eltern und Kinder die Grundschule sehen, S. 183-197, in Christian Alt (Hrsg.): Kinderleben – Aufwachsen zwischen Familie, Freunden, und Institutionen, Band 2: Aufwachsen zwischen Freunden und Institutionen, Wiesbaden 2005, S. 184.
(2) Vgl.: Rainer Geissler, Thomas Meyer: Die Sozialstruktur Deutschlands. Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Bilanz zur Vereinigung, 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage, Wiesbaden 2006, S. 275-276. siehe auch Statistisches Bundesamt, Hochschulen auf einen Blick, Ausgabe 2008, S. 16, 15 Prozent ohne Berufsabschluss, DPA- Meldung vom 14.10.2008, http://www.ksta.de/html/artikel/1223935263215.shtml. Siehe auch: Hans Bertram, Marina Hennig, Eltern und Kinder. Zeit, Werte und Beziehungen zu Kindern, S. 91 – 120, in: Bernhard Nauck, Hans Bertram (Hsg.), Kinder in Deutschland. Lebensverhältnisse von Kindern im Regionalvergleich, Opladen, 1995, S. 91
(3) Vgl.: „Was Eltern heute stemmen“, Gespräch mit Prof. Hans Bertram im Tagesspiegel vom 31.8.2008, http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonderthemen-Erziehung-2008-Erziehung;art893,2604384.
(4) Nach der Zeitbudgetstudie des Statistischen Bundesamts jedenfalls ist der Anteil der Väter am Zeitaufwand beider Eltern für „Gespräche mit den Kindern“ und „Hausaufgabenbetreuung, Anleitungen“ deutlich größer als bei der „Körperpflege und Beaufsichtigung“, auf die der größte Teil der Kinderbetreuungszeiten entfällt. Vgl.: Irene Kahle: Alleinerziehende im Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie, S. 175-193, in: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Alltag in Deutschland. Analysen zur Zeitverwendung, Wiesbaden 2004, S. 188.
(5) Vgl. Abbildung unten: „Zufriedenheit von Müttern mit schulischen Leistungen“.
(6) Vgl. Angela Hartl: Zur Lebenssituation von Stiefkindern, S. 147-176, in: Walter Bien et al: Stieffamilien in Deutschland, DJI: Familien-Survey 10, Opladen 2002, S. 159.
(7) Vgl. Abbildung unten
(8) Die aus dem Familiensurvey ersichtlichen ungünstigeren Schulergebnisse der Kinder Alleinerziehender sind keinesfalls darauf zurückzuführen, dass sich Alleinerziehende weniger intensiv um ihre Kinder kümmern würden als Mütter in Paarhaushalten. Die „Zeitbudgetstudie“ des Statistischen Bundesamts zeigt, dass Alleinerziehende eher an der eigenen Zeit für die persönliche „Rekreation“ (Schlafen, Essen, Körperpflege etc.) als an der für ihre Kinder sparen. Gerade am Zeitbudget für „Hausaufgabenbetreuung/Anleitungen“ macht sich aber das Fehlen eines Partners bemerkbar: Das hier für die Kinder insgesamt (von Vater und Mutter) zur Verfügung stehende Zeitbudget ist in Paarhaushalten fast doppelt so groß. Vgl.: Irene Kahle: Alleinerziehende im Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie, S. 175-193, in: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Alltag in Deutschland. Analysen zur Zeitverwendung, Wiesbaden 2004, S. 177 und S. 188.

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