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Nachricht der Woche 44

Verschiebungen der Weltbevölkerung – Herausforderungen für Europa  

In den vergangenen Jahrzehnten ist das Geburtenniveau in fast allen Regionen der Welt stark gesunken. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen ging die zusammengefasste Geburtenziffer je Frau (TFR) seit 1970 in Afrika um 26%, in Europa um 36 Prozent, in Lateinamerika und in Asien sogar um bis zu 49 Prozent zurück. Trotz dieses starken Geburtenrückgangs wächst die Weltbevölkerung weiter. Bis zum 2050 wird sie auf ca. neun Milliarden Menschen zunehmen. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die weltweit gestiegene Zahl potentieller Mütter. Mehr als 90 Prozent des Wachstums der Weltbevölkerung entfallen auf die – nach UN- Definition – „weniger entwickelten“ Regionen der Welt (less developed countries). Obwohl sich die durchschnittlichen Wachstumsraten der Bevölkerung auch in diesen Ländern verringert haben, nehmen dort die absoluten Bevölkerungszahlen nach wie vor stark zu. Dies gilt insbesondere für die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder („least developed countries“), die meist  besonders arm und sehr kinderreich sind. Die meisten dieser Länder sind in Afrika zu finden. Afrika ist daher der Kontinent mit dem relativ stärksten Bevölkerungswachstum – auch noch über das  2050 hinaus (1).    

Während die Bevölkerung in den „Entwicklungsländern“ weiter wächst, nimmt sie in den „alten“ Industrienationen (USA, Europa, Japan, Australien) kaum noch zu. Die Bevölkerungszahl dieser Länder stagniert, obwohl jährlich Millionen von Migranten aus ärmeren Regionen einwandern. Begründet ist diese Stagnation in einem Mangel an Geburten. Im Gegensatz zur Weltbevölkerung wird Europa deshalb nicht mehr wachsen, sondern schrumpfen (2). Aufgrund dieser Entwicklung verschieben sich die demographischen Gewichte zwischen den Kontinenten. Am Beispiel des Verhältnisses zwischen Europa und Afrika wird das Ausmaß der „demographischen Kontinentalverschiebung“ deutlich: Noch 1950 lebten mehr als ein Fünftel aller Menschen weltweit in Europa. Auf Afrika entfiel nicht einmal ein Zehntel der Weltbevölkerung. Im Jahr 2050 wird dagegen mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung in Afrika leben. Der Bevölkerungsanteil Europas wird auf etwa sieben Prozent geschrumpft sein (3). Die demographischen Gewichte zwischen Europa und Afrika kehren sich also innerhalb eines Jahrhunderts nahezu spiegelbildlich um.  

Die demographischen Kräfteverhältnisse verschieben sich zu Lasten Europas – nicht nur im Vergleich zu Afrika, sondern auch zu den Ländern der arabischen Halbinsel und des Nahen und Mittleren Ostens. Der schon heute sehr große „demographische Pool“ für potentielle Einwanderer in die Europäische Union wächst damit weiter an. Ein sich weiter verstärkender Migrationsdruck auf Europa dürfte die Folge sein (4). Dies insbesondere dann, wenn es nicht gelingt, in den südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeeres eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, die neue Beschäftigungschancen für die nachwachsenden Generationen schafft. Die Herausforderungen für die europäische Migrations- und Entwicklungspolitik liegen damit auf der Hand (5).

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(1) Vgl.: Frank Swiaczny: Aktuelle Aspekt des Weltbevölkerungsprozesses, Regionalisierte Ergebnisse der UN Word Population Prospects 2004, Materialien zur Bevölkerungswissenschaft des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, Heft 117, Wiesbaden 2005, S. 7-12.

(2) Vgl. ebd. sowie: Abbildung unten: „Weltbevölkerungsentwicklung nach Regionen“.

(3) Vgl.: Abbildung unten: „Weltbevölkerung: Kontinentalverschiebungen“.

(4) Vgl.: Paul Demeny: Die bevölkerungspolitischen Dilemmata in Europa zu Beginn des 21. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, Jg. 28, Heft 1 /2003, S. 91-117.

(5) Mit diesen Herausforderungen beschäftigte sich unter anderem vom 27.-31. Oktober in Bonn die  „Metropolis-Konferenz“, http://www.metropolis2008.org/welcome_note/index.html.

 

 

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