Zitat des Monats, 2017 / 8, 27.06.2017

Für die Familie gibt es keine gleichwertige Alternative


Bei den Beziehungen zwischen den Geschlechtern und Generationen handelt es sich um ein Gefüge, das bei immer gleichen Grundstrukturen die unterschiedlichsten Ausformungen zeigt. Es sind die gleichen Grundstrukturen in einer Favela von Rio de Janeiro, wie im Kaiserpalast von Tokio. Auch für die Familie gilt, dass Vielfalt nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden darf. Die Patchwork-Familie beispielsweise wird heute gerne als eine, die herkömmliche Form des Zusammenlebens pluralisierende, alternative Lebensform angesehen. Tatsache ist, dass die Patchwork-Familie im Allgemeinen danach trachtet, die einfache Familie nachzuahmen und mit zahlreichen, für sie spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert ist. […] Aus dem dargestellten folgt nicht, dass die Patchwork-Familie, die es zu allen Zeiten gegeben hat, kein sinnvolles Gebilde wäre und nicht volle Unterstützung verdient hätte. Allerdings handelt es sich um kein Ideal […]. Auch wenn der Einzelfall immer anders gelagert sein kann, bleibt die ungebrochene Familie in einer nicht heilen Welt die relativ beste Lebensform für die Menschen aller Lebensalter, ohne gleichwertige Alternative.


Christian Spaemann: „Was muss gegeben sein, damit wir geben können.“ Überlegungen zu einer Anthropologie der Gabe, S. 159- 189, in: Giovanni Maio: Ethik der Gabe. Humane Medizin zwischen Leistungserbringung und Sorge um den Anderen, Freiburg im Br. 2014, S. 182-184.