Zitat des Monats, 2012 / 42-43, 22.10.2012

Journalismus und Familie – zwei Welten


Wochen 42-43 / 2012

Woher kommt die Diskrepanz der Familienbilder in der veröffentlichten Meinung, also beim medialen Establishment einerseits und der wirklichen öffentlichen Meinung, also in der Bevölkerung andererseits? Ein Datum mag bis zu einem gewissen Grad generellen Aufschluss geben: Etwa 70 Prozent der Journalisten sind kinderlos (Hans Bertram). Sie haben folglich kaum oder keine persönlich-unmittelbare Lebensbeziehung zur Welt von Kindern. Plausibel erschiene auch der Grund, dass die Scheidungs-und Trennungsrate unter Journalisten überdurchschnittlich hoch ist, diese Journalisten also das Thema Ehe und Familie eher verdrängen. Auch die Karriereaussichten mögen eine Rolle spielen, ein Experte in der Thematik Familie wird höchst selten Chefredakteur. Allein diese drei Gründe reichen schon, um die Fremdheit dieses Berufs mit dem Thema Familie und das daraus resultierende Familienbild (konfliktiv, kinderarm, alleinerziehend) zu erklären.


Jürgen Liminski, Die verratene Familie – Politik ohne Zukunft, Augsburg, 2007, S. 40