Zitat des Monats, 2012 / 50-52, 20.12.2012

Kapitalismus und Familie: Ein fundamentaler Konflikt


Wochen 50-52 / 2012

Zwischen dem Kapitalismus und der Familie besteht ein klassischer Konflikt: Im Kapitalismus zählt der eigene Nutzen, den man aus seinem Tun zieht. Dies liegt nun einmal quer zur Familie, in der ein unglaublicher Aufwand für andere getrieben wird. […] Ein Kapitalist will flüssig sein. Flüssiges Kapital, ein flüssiges Leben, hohe Flexibilität und Wandlungsfähigkeit in jeder Hinsicht. Der Kapitalist fürchtet die Festlegung wie der Fluss den Frost. Entscheidet man sich für Familie, legt man sich aber in hohem Maße fest - nicht nur mit seinem Kapital. […] Das Besondere an dem Abenteuer Elternschaft ist eben eine ganz fundamentale Unabwägbarkeit dessen, was passiert - mit einem selbst, mit den Kindern, mit der Beziehung zum Partner. Der Kapitalist spielt mit dem Risiko. Bei der Familie muss man bereit sein, dieses ganze Risikospiel sein zu lassen. Sonst kann man sich darauf nicht einlassen.


Inge Kloepfer: „Der Kapitalismus zersetzt die Familie - ganz subtil“. Die Wirtschaft verlangt größte Flexibilität. Die Familie beruht auf Stabilität - und zieht den Kürzeren, sagt der Philosoph Dieter Thomä. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 15.12.2012, abrufbar unter:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/menschen-wirtschaft/philosoph-dieter-thomae-der-kapitalismus-zersetzt-die-familie-ganz-subtil-11994613.html