Zitat des Monats, 2013 / 7-9, 02.03.2013

Die Eheschließung stiftet eine neue Wirklichkeit


Wochen 7-9 / 2013

Personenverbände besitzen einen eigenen Realitätsstatus. […] Die Eheschließung stiftet ja tatsächlich eine Wirklichkeit. Wenn der eine anderen Sinnes wird, sieht der andere sich betrogen. Dass die Ehe eine unkündbare Wirklichkeit ist, kommt zum Ausdruck in der Existenz von Kindern. In ihnen wird die Einheit der Eltern objektiv. Sie müssen Vater und Mutter als Einheit denken, wenn sie sich selbst als Individuen verstehen wollen. Es ist das Wesen eines Versprechens, künftiges Handeln vom jeweiligen Belieben des Versprechenden unabhängig zu machen. Das Eheversprechen ist heute übrigens – im Vergleich mit allen anderen Garantieerklärungen – das am niedrigsten eingestufte Versprechen unserer Zivilisation.


Robert Spaemann: Über Gott  und die Welt. Eine Autobiographie in Gesprächen, Stuttgart 2012, S. 290-292.