Zitat des Monats, 2013 / 17-18, 03.05.2013

Gerhard Schröder: Arbeit in Haus und Familie ist kein Verrat an der Frauenbewegung


Wochen 17-18 / 2013

Ein Zurück zu den Zeiten, als Ehe vor allem gleichbedeutend mit Fortpflanzung war, wird es nicht geben. Die Frau besaß damals nur eine Zukunft: Haus und Kinder. Heute aber brauchen wir ein neues Verständnis der Familie, das den gesellschaftlichen Wandel begreift und einbezieht. Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um ein neues, verbindliches Leitbild der Geschlechterrollen. Es kann nicht unser Interesse sein, und es entspricht auch nicht unserem Verständnis von moderner Demokratie und moderner Gesellschaft, etwa den Frauen eine "Standardbiografie" zu verordnen nach dem Muster: sechs Jahre lang die Kinder erziehen und dann zurück in den Betrieb . . . Es ist völlig berechtigt und überhaupt kein Verrat an Emanzipation und Frauenbewegung, wenn sich Frauen dafür entscheiden, nicht erwerbstätig sein zu wollen, sondern sich auf unbezahlte Arbeit in Haus und Familie zu konzentrieren - also eine Arbeit zu verrichten, die ohnehin in unserer Gesellschaft und für unsere Gesellschaft immer wichtiger wird und die wir im Zuge der Förderung von Zivilgesellschaft auch sehr viel stärker als bisher wahrnehmen, anerkennen und unterstützen wollen.


Gerhard Schröder: Selbstverwirklichung beginnt in der Familie, in: DIE WELT, 30.3.2001, http://www.welt.de/print-welt/article442673/Selbstverwirklichung-beginnt-in-der-Familie.html