Zitat des Monats, 2013 / 21-22, 28.05.2013

Die große Illusion der steigende Akademikerquoten: Vermehrt wird nur das Mittelmaß


Wochen 21-22 / 2013

Eine parteienübergreifende Koalition verkauft uns wachsende Studentenzahlen als Erfolg kluger Bildungspolitik […]. Unter der Parole "Kein Kind darf verloren gehen" sorgt man dafür, dass ein immer größerer Teil der Schüler das Abitur erhält und öffnet zusätzlich die Tore der Hochschulen auch für einen großen Teil derjenigen, die kein Abitur haben. […] Die von der OECD geforderte und durch den Bologna-Prozess umgesetzte Steigerung der Akademikerquote wird nicht in Frage gestellt. […] Daraus folgt der Wahn, durch die richtige Politik einem immer größeren Teil der Bevölkerung akademische Bildung verschaffen zu können, ohne deren Niveau radikal zu senken. […] Das "Upgrading" der Abschlüsse ist zum Großteil daher eine Bildungsillusion. Junge Menschen absolvieren heute Business- oder Management-Studiengänge - und machen dann Jobs, für die ihren Vätern ein Realschulabschluss mit kaufmännischer Lehre reichte. Wie sollte es auch anders sein: Wenn alle höhere Abschlüsse schaffen, dann landen die vermeintlichen Aufsteiger eben doch wieder im Mittelmaß.  [… Man kann die Abiturientenzahlen steigern, aber nicht die Bildungsfähigkeit der Menschen.


Ferdinand Knauß: Schluss mit dem Akademisierungswahn, Wirtschaftswoche vom 25. Mai 2013, http://www.wiwo.de/erfolg/campus-mba/bildungspolitik-bildungspolitische-taschenspielertricks/7961010-4.html