Zitat des Monats, 2013 / 36-38, 18.09.2013

„Es wäre gut, wenn die Verantwortlichen mal erschrecken würden“


Wochen 36-39 / 2013

„Es wäre gut, wenn die Verantwortlichen mal erschrecken würden“ 

Deutschlandfunk: Wir hören dieser Tage wieder viele Dementis, vom grünen Volker Beck zum Beispiel oder von Günter Verheugen, der seinerzeit FDP-Generalsekretär war. Beide wollen sich nicht aktiv für die Straffreiheit Pädophiler eingesetzt haben. Genau das behauptet jetzt aber Franz Walter. Glauben Sie den beiden Politikern?

Schwarzer: Nein, ich glaube natürlich dem Forscher, und ich muss auch gar nicht glauben. Ich habe den Text gestern gelesen… von Volker Beck, den er 1988 geschrieben hat, in einer Publikation übrigens von höchster Fragwürdigkeit, in der es ausschließlich in allen Beiträgen um das Recht auf Pädophilie geht, und da fordert Volker Beck wörtlich die Entkriminalisierung der Pädophilen.

DLF: Er sagt ja, der Text sei verändert worden, ohne seine Autorisierung.

Schwarzer: Ich bitte Sie, das fängt nun doch an, peinlich zu werden. Ich meine, Daniel Cohn-Bendit schreibt seine Lebenserinnerungen, und wenn dann eine Passage kommt, in der er berichtet, dass er als Kindergärtner mit einer Fünfjährigen sich genital gestreichelt hat, dann ist plötzlich diese Passage Fiktion. Und Volker Beck, der doch nun inzwischen ein erfahrener Politiker ist, der wird doch wohl nicht zulassen, dass man einen solchen Text von einer solchen Brisanz im Sinn verändert und - jetzt kommt es - der ist 88 erschienen. Er hatte genug Gelegenheit zu sagen, Moment mal, mit diesem Text, da habe ich nichts zu tun. Außerdem hat er den Text wie gesagt für eine Streitschrift geschrieben, in der es ausschließlich um die Legalisierung der Pädophilie geht. Also es wäre gut, wenn die Verantwortlichen, die Grünen und alle anderen, endlich mal erschrecken würden und sagen würden, was haben wir da eigentlich getan und wie weit hängt uns das jetzt noch in den Kleidern.


Alice Schwarzer in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am 14. August 2013. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/2214998/