Zitat des Monats, 2021 / 4, 08.03.2021

Lebensmuster und Familie


„Kein einziges der großen Probleme unserer Zeit – kein einziges irgendwo in der Welt! – kann gemeistert werden ohne Eigenschaften und Verhaltensweisen, die familienspezifisch sind. Was immer wir auch herausgreifen – von der Überbevölkerungsangst über die Nahrungsmittel-, Energieerzeugungs- und Umweltschutzsorgen bis zur Arbeitslosigkeit, Arbeitsunlust, Freizeitvergötzungs-Mentalität, Staatshass und Lebensekel (um nur diese wenigen Stichworte zu nennen) – alles dies ist und bleibt hoffnungslos unbehebbar ohne solche Eigenschaften, und sagen wir ruhig: ohne Tugenden, wie etwa Gemeinsinn, Dienstwilligkeit, Opferbereitschaft, Anspruchslosigkeit, Disziplin, Toleranz und andere mehr, die nur familiär zu erlernen sind. Alle Versuche in der Menschheitsgeschichte, Familie zu beseitigen, sind auf Dauer gescheitert – nicht etwa, weil „Familie“ immer subjektiv lustvoll und bequem ist, sondern weil sie objektiv und instrumental für die menschliche Existenz auf diesem Stern notwendig ist: Sie ist das den Menschen wesensmäßig verordnete Zusammenlebensmuster. ….. Familie ist die soziale Urform für den geschichtlichen Menschen.“

Peter Berglar, aus: Familie – Feindbild und Leitbild, Dokumentation des Colloquiums des Lindenthal-Instituts 1977, Adamas-Verlag, Köln, 1979, zweite Auflage, S. 8f.

Prof. Dr. Dr. Peter Berglar (1919 – 1989) war Arzt und Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität in Köln. Von seinen zahlreichen Büchern gilt „Thomas Morus – einer gegen die Macht“ als Standardwerk. siehe www.thomas-morus.de