Zitat des Monats, 2016 / 2, 23.02.2016

Die Migrationstheologie lähmt das Land


Es gibt schon seit längerer Zeit vielfältige Äußerungen aus Kirchenkreisen, die die Migranten zu exemplarischen Repräsentanten des christlichen Menschenbildes erklären. Schon vor einem Jahr bezeichnete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx, das Weihnachtsereignis als eine „Revolution ohne Vergleich“. Dadurch, daß Gott Mensch werde, sei die „Anerkennung des anderen“ begründet (vgl. FAZ 27.12.2014). Auch in der Evangelischen Kirche Deutschlands gibt es diese gläubige Verehrung des Migranten, der ihr als „Flüchtling“ ein Sinnbild des Bedürftigen ist, und der zugleich als wandernder „Fremder“ etwas mystisch Großes hat und über den Niederungen irdischer Seßhaftigkeit schwebt. Annette Kurschuss, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen und Herausgeberin der Zeitschrift „chrismon“ schreibt: „Wir dürfen vor der Fremdheit nicht davonlaufen … Nicht vor ihrem Anderssein und nicht vor unserem Nicht-Verstehen. Uns befremden lassen: Das wär´s.“ Das Wortgeschraube um die „Fremdheit“ befaßt sich nicht mit den realen Migranten. Es verkennt, daß der größte Teil von denen, die sich bis nach Deutschland durchschlagen, nicht unmittelbar aus Kriegsnöten fliehen, sondern zu einem Ort weiterwandern, von dem sie sich bessere Lebensbedingungen versprechen …... Die theologische Überhöhung der Migration hat mit der Weihnachtsbotschaft nichts zu tun. Besagt diese doch gerade die Zuwendung Gottes zu einem bestimmten Ort, zum irdischen Dasein überhaupt. Sie sagt den Menschen, daß dies Dasein wertvoll ist und nicht nur ein Provisorium. Daß sie daher den Ort, an den sie gestellt sind, annehmen sollen und nicht nur auf der Erdoberfläche umherirren sollen…..  Die Migranten können den Deutschen nicht die schmerzhafte Aufgabe abnehmen, eine neue Reformagenda für Wirtschaft und Staat auf die Tagesordnung zu setzen. Sie können auch nicht das Problem lösen, das die Kirchen der Gegenwart bei der Vermittlung des christlichen Glaubens haben. Beides sind bürgerliche Aufgaben, Aufgaben für die Bürger dieses Landes. Natürlich wird unser Land immer wieder Flüchtlinge und Migranten aufnehmen. Natürlich wird es auch andere Religionen respektvoll behandeln. Aber weiterbringen wird das unser Land nicht…. Im Gegenteil, die Migration ist ein Ersatzthema, das von den eigentlichen Problemen und Aufgaben des Landes ablenkt. Die Masseneinwanderung verwickelt das Land in eine unendliche Rettungsaktion, die alle Kräfte in Anspruch nimmt und für Jahrzehnte auf eine lähmende, deprimierende Hängepartie festlegt.


Aus: Gerd Held, Wie die Theologie der Migration Menschen unter Druck setzt, Achse des Guten, 28.12.2015,  http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_theologie_der_migration_serie_migrationsmythos_viii
Dr. rer. pol. Gerd Held, studierte nach einer Facharbeiterlehre und Berufstätigkeit  Sozialwisschenschaften (Diplom) und Sozialphilosophie (Maitrise) in Hannover und Paris. Seit 2008 als freier Publizist und Privatdozent (TU Berlin) tätig.